e, Feuilleton. We⸗-
Der Erdkörper,
oder
Kurzer Teitfaden, die geſammte phyſikaliſche.
Erdbeſchreibung binnen vier luſtigen Tektionen zu erlernen.
Erſte Lektion. Allgemeinſtes.
Ueber das Alter der Erde war man ſchon ſeit Er⸗ findung des Kalenders ziemlich im Klaren. Nach dem neueſten dürfte ſie allenfalls über 5600 Jahre alt ſein. Ebenſo bekannt iſt es, daß ſie um drei Tage älter iſt, als die Sonne, der Mond und die Sterne. Nicht minder bedeutend ſind die Verdienſte des Kalenders um die Kenntniß ihrer Größenverhältniſſe. Durch die einfache ſogenannte Sub⸗ traktion berechnete er, durch Abziehen des Gewichts der Atmoſphäre vom Bruttogewichte des Erdganzen, das Nettogewicht des Erdkörpers im engern Sinne. Nun ward es ein Leichteres aus dieſem fertigen mathemati⸗ ſchen Datum auch Umfang und Oberfläche der Erde zu eruiren. Da ſich das Gewicht des Erdkörpers auf circa Billion bis Trillion Centner damaliger Währung ergab, mußte folgerichtig ein größter Erdumfang 360 Grade d. i. 5400 Poſtmeilen betragen, und hiezu eine entſpre⸗ chende Erdoberfläche gehören.
Die Erde iſt überall ringsherum auf allen Seiten kugelrund. Die runde Geſtalt erhellt unter anderm aus dem Schatten, den die Erde auf die Sonne werfen müßte, ſo oft der Mond gerade hinter ihr ſteht ferner aus dem Krummtreten der Abſätze an unſern Stiefeln, was auf einer ebenen Fläche nicht gut möglich wäre; urdehmnlich aber ſchon aus der bloßen Anſchauung des Globus.
Zweite Lektion.
Lokomotionen der Erde.
1. Die Erde dreht ſich um ſich ſelbſt, und benöthigt zu einer ſolchen Selbſtumdrehung wunderbarer Weiſe ge⸗ rade genau vierundzwanzig Stunden. Jedesmal Schlag Mitternacht iſt ſie mit einer herum. Zum Behufe dieſer Bewegung ward natürlich eine Achſe nothwendig, von welcher jedoch erſt ſpäter bei Beſprechung der„äußern Anſicht der Erde“ die Rede ſein kann. 1
Am beſten kann man dieſe Sichſelbſtumkreiſung der Erde aus dem fahrenden Schiffe, Eiſenbahnwaggon u. dgl. beobachten. Die Zeit einer ſolchen Umdrehung theilt man, der Ueberſicht halber, in drei Theile ein. Zeitlich früh, ſo⸗ bald es nur ein wenig Licht iſt, erkennt man ſchon, bei übrigens unverwölktem Himmel, den Aufgang der Sonne im Oſten. Dieſe Zeit bis zum Mittagsmahle nennen wir Morgen, eventuell Vormittag. Von da ab, bis daß es dunkel wird, und man die Sonne nicht mehr ſehen kann, zählen wir den Nachmittag. Alle ſpätere Zeit, und wahrend wir ſchlafen, ſprechen wir vom Abend, reſp. von der Nacht.
Erinnerungen. 88. Bd. 18641.
Die Länge oder Kürze der Tage hängt bekanntlich von der Ausdehnung der Körper in der Wärme und ihrer Zuſammenziehung in der Kälte ab. Im Sommer, wo der Tag länger iſt, geht die Sonne früher auf und ſpäter unter; im Winter findet, wegen der Kürze der Tage, das Entgegengeſetzte ſtatt. Wir ſehen die Sonne nur ſelten im Norden ſtehen, und begrüßen dann ihre Erſcheinung als„Nordlicht“.
2. Die Erde bewegt ſich ferner um die Sonne, und benöthigt zu einem ſolchen Umlaufe in gewöhnlichen Jahren 365, in Schaltjahren 366 Tage. Für unſere Gegenden iſt dieſer Umlauf jedesmal ſchon am 1. Januar zurückgelegt, während er für die Ruſſen, Griechen und andere Nationen dann noch um dreizehn Tagereiſen zurück iſt.
Dieſe Bewegung geht, der Ordnung nach, durch die zwölf Sternbilder des Thierkreiſes vor ſich. Dieſe werden, wie ſchon der Name Thierkreis beſagt, nach ihren reſpektiven Thierähnlichkeiten benannt, z. B. Schütze, Jung⸗ frau, Zwillinge, Wage u. ſ. f.
Zur Begleitung der Erde auf dieſer ihrer Weltfahrt in den Geleiſen der ſogenannten Erdbahn, wurden ihr die vier Mondesviertel als Trabanten beigeſellt, deren Beſprechung jedoch der höhern Aſtronomie anheimfällt.
Dritte Lektion. Aeußere Anſicht der Erde.
Dort, wo die Erde am breiteſten iſt, iſt eine ſchwarze Linie von beſonderer Dicke um ſie gezogen, die wir Aequator oder Gleicher heißen. Nach oben und unten von ihr befinden ſich in Abſtänden von je zehn Graden, die gleichfalls von links nach rechts gezogenen Parallelkreiſe, die immer kürzer und kürzer werden, bis ſie ſich endlich um die ſogenannten Pole, der Beſichtigung ganz ent⸗ ziehen. Dieſe befinden ſich nämlich an den äußerſten Enden der Erde, ſind beide gleich weit von einander entfernt, und ſind beſtimmt die Enden der Erdachſe aufzunehmen. Die Erdachſe muß aufrecht ſtehend gedacht werden, wie wir es an jedem Globus erſehen können. An ihren beiden hervorragenden Erdſpitzen ſind die Meridiane befeſtigt, d. i. Linien, die von oben nach unten laufen und gegen den Aequator zu, immer weiter auseinander gehen, während ſie in der Nähe der Pole, an ihrem Urſprunge, ſo dicht gedrängt liegen, daß eine geſunde und ungeſtörte Ent. wickelung organiſchen Lebens zwiſchen ihnen unmöglich wird. Unter den Meridianen gibt es mehre erſte, vor⸗ nehmlich aber drei: der Faröer, der Greenwicher und der Pariſer. Die übrigen ſind der Reihe nach numerirt, und jeder an ſeiner Zahl zu erkennen, welcher Umſtand für Schiffskapitäne und Geometer von unſchätzbarer praktiſcher Wichtigkeit iſt.
Wendekreiſe gibt es nur zwei, den Krebs und den Steinbock, und ſelbſt dieſe gehen nur ſchief über die Erde.
So wichtig für das Erdganze, als Maſſe, der Aequator iſt, gleichſam der unſprengbare, gemeinſame Reif: ebenſo wichtig iſt für unſern Planeten, als roti⸗ renden Weltkörper die Erdachſe, ohne welche offenbar keine Achſendrehung der Erde gedacht werden könnte.
Am Aequator iſt die Hitze am größten, an den Polen die Kälte. Was dazwiſchen liegt iſt temperirt und
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