Jahrgang 
1864
Seite
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Literatur und Kunſt.

Bibliothek, das Naturialienkabinet, die Münzſammlung und das Antikenkabinet in ſich faſſen könnte. Zur Einreichung von Plänen war eine Konkurrenz ausgeſchrieben worden; keiner von den neun eingegangenen iſt aber für acceptabel erachtet worden. Man hat zweien derſelben zwar Preiſe von 2000 und 1000 Gulden bewilligt, den definitiv gil⸗ tigen Plan ſoll jedoch mit Zugrundelegung dieſer beiden und Benutzung ihrer Vorzüge nun erſt der Oberbaurath Bergmüller ausarbeiten. Die Koſten des Baues dürfen '800,000 Gulden betragen und wird die Ausführung mehrere Jahre in Anſpruch nehmen.

MoſenthalsSonnwendhof als Operntext. Der Dichter derDeborah hat inſofern ein merkwürdiges Glück, als ſeinen Dramen die Ueberſetzer und Bearbeiter von Operntexten eine ganz außerordentliche Beachtung ſchenken.Deborah ſteht hierbei in der zweifachen Hin⸗ ſicht zwar ſtets in vorderſter Reihe, jedoch auch andere Stücke bleiben nicht unbedacht. So haben wir heute wie⸗ der zu regiſtriren, daßder Sonnwendhof nun ebenfalls als Libretto einer(engliſch geſchriebenen) Oper benutzt worden iſt, deren Kompoſiteur, da der Stoff in der That wirkſam und für muſikaliſche Behandlung geeignet, ſich in Macfarren gefunden hat.

Ein Verzeichniß von C. M. von Webers Kom⸗ poſitionen. Der königlich preußiſche Muſikdirektor F. W. Jähns in Berlin iſt damit beſchäftigt, ein chronologiſch⸗ thematiſches Verzeichniß der ſämmtlichen Tonwerke Carl Maria von Webers nebſt Erläuterungen in Art der von Köchel'ſchen Arbeit über Mozart zu verfaſſen, und bittet alle Beſitzer von muſikaliſchen, wie ſonſtigen Original⸗ Handſchriften des genannten Meiſters, zur Förderung ſeines Unternehmens ihm dergleichen Manuſkripte zur Anſicht zu geſtatten, beſtänden dieſelben auch nur aus dem kleinſten Fragmente einer Kompoſition, oder einer darauf bezüg⸗ lichen brieflichen oder ſonſtigen Bemerkung. Die Einſender dürfen ſich der ſorgfältigſten Behandlung, ſo wie der ſchleu⸗ nigen(auf Wunſch rekommandirten) Remittirung des leber⸗ ſchickten verſichert halten. Adreſſe entweder direkt an den Verfaſſer oder Herr Espagne, Kuſtos der muſikaliſchen Ab⸗ theilung der königlichen Bibliothek zu Berlin.

Die philoſophiſch⸗hiſtoriſche Klaſſe der kaiſerl. Akademie der Wiſſenſchaften in Wien hat folgende Preis⸗ aufgabe ausgeſchrieben:Welche waren die Beſitzungen des gräflichen Hauſes Habsburg? wann und wie kamen an die Hauptlinie Habsburg⸗Oeſterreich die anderen ſo⸗ genannten vorländiſchen Gebiete, d. h. die Graf⸗ und Herrſchaften von größerm, kleinerm und kleinſtem Umfange, die Städte, Märkte u. ſ. w. in der Schweiz, im Elſaß und Sundgau, wie auch in Schwaben; wann und wie kamen alle dieſe Beſitzungen wieder in andere Hände bis zur Auflöſung des deutſchen Reiches? Die Feage iſt auf urkundlicher Grundlegung und kritiſch mit genauer Angabe der einzelnen Vertragsbeſtimmungen zu beant⸗ worten. Einſendungstermin 31. December 1867. Preis 200 Dukaten. Eventuelle Zuerkennung in der Jahres⸗ ſitzung von 1868. Die Preisfrage der mathematiſch⸗ naturwiſſenſchaftlichen Klaſſe lautet:Eine genaue mine⸗ ralogiſche und, ſoweit erforderlich, chemiſche Unterſuchung möglichſt vieler der öſterreichiſchen Eruptivgeſteine mittlern Alters, von der Dyasformation angefangen bis hinauf zur Eocenformation und ihre Vergleichung mit den ge⸗ nauer bekannten älteren und jüngeren Eruptivgeſteinen Oeſterreichs und anderer Länder. Einſendungstermin 31. December 1866. Preis 200 Dukaten. Zuerkennung am 30. Mai 1867.

Der eidgenöſſiſche Bundesrath in Bern hat es übernommen, an ſämmtliche europäiſche Regierungen Einladungsſchreiben zur Theilnahme an der in Genf ab⸗ zuhaltenden zweiten internationalen Konferenz zur Feſt⸗ ſtellung der Organiſation für die Hilfsleiſtung der Ver⸗ wundeten und Kranken in Kriegsfällen zu richten. In dieſem am 6. Juni expedirten Schreiben wird der 8. Aug. als Zeitpunkt für die beregte Zuſammenkunft vorge⸗ ſchlagen.

Die Generalverſammlung des Stenographenbun⸗ des für Rheinland und Weſtphalen fand am 5. Juni in Elberfeld ſtatt. Es wurde beſchloſſen, die Stolze'ſche Methode in ihrer Reinheit auch ferner zu erhalten und zu berbreiten. Eine Kommiſſion von vier Mitgliedern erhielt die Aufgabe zu gegenſeitiger Belehrung über etwa zweifelhafte Zeichen. Der Berliner Verein ward als Centralausſchuß in Bezug auf Vereinsſtatiſtik anerkannt. Für die nächſtjährige Zuſammenkunft nahm die Ver⸗ ſammlung Köln in Ausſicht und ſandte während des Feſt⸗ mahls einen telegraphiſchen Gruß an Herrn Stolze in Berlin. 3

Unter Redaktion des Profeſſors Dudik in Wien wird auf Veranlaſſung des Erzherzogs Wilhelm von Oeſter⸗ reich demnächſt die Herausgabe eines höchſt intereſſanten Prachtwerkes ſtattfinden. Der im Wiener Ordenshauſe ein paar Jahrhunderte aufgeſtellte reiche Schatz koſtbarer Ge⸗ räthe und Gefäße ſoll darin in Wort und Bild ver⸗ öffentlicht werden. Das bereits vollendete Manuſkript ſoll nicht blos die geſchichtlichen aus den archivariſchen Quellen entnommenen Daten über Herkunft, Schickſale und Beſitzer bringen, ſondern auch das Verſtändniß ihres Kunſtwerthes erſchließen. 60 Photographien ſollen das Prachtwerk zieren.

Marſchall Peliſſier hat einen Band Memoiren hinterlaſſen, welche den von ſeiner Hand geſchriebenen Titel führen:Militäriſche Aufzeichnungen und Erinnerun⸗ gen eines franzöſiſchen Marſchalls.

In Augsburg wird der alterthümliche, noch aus der Römerzeit ſtammende Burgpalaſt des Geſchlechtes derer von Imhof niedergeriſſen und der gegenwärtige Beſitzer, Ingenieur Riedinger, läßt an dieſer Stelle einen prächti⸗ gen monumentalen Neubau nach einem geſchmackvollen Plane des Oberbaurathes Leins in Stuttgart aufführen, der einen reichen ſtatuariſchen Schmuck vom Bildhauer Riedmüller erhält. Auch ſoll Riedinger die Abſicht haben, den Hof mit Fresken ſchmücken zu laſſen, wie man es in den Höfen italieniſcher Paläſte häufig ſieht.

In Belgien werden im Auguſt d. J. zwei riva⸗ liſirende Kunſtausſtellungen ſtattfinden, die eine zu Ant⸗ werpen, die andere zu Brüſſel. Auf erſterer wird von auswärtigen Künſtlern mehr die deutſche, auf letzterer mehr die franzöſiſche Schule vertreten ſein. Der alte Hader zwiſchen den Künſtlern zu Antwerpen und Brüſſel iſt nämlich in offene Fehde ausgebrochen. Bekanntlich be⸗ ſtehen in Belgien große jährliche Kunſtausſtellungen, welche wechſelweiſe in Brüſſel, Antwerpen und Gent ſtatthaben; die Ausſtellung zu Brüſſel iſt jedoch die einzig officiell vom Staate angeordnete, während die anderen von Genoſſenſchaften ausgehen, die jedoch vom Staate ſubventionirt werden. Obſchon nun Brüſſel die Haupt⸗ ſtadt iſt, doch liegt der Kern der bedeutendſten Kunſt⸗ thätigkeit Belgiens in Antwerpen, wo auch die vom Staate unterhaltene Kunſtakademie beſteht, während die Brüſſeler nur ein ſtädtiſches Inſtitut iſt. Ferner neigt ſich die Brüſſeler Künſtlergeſellſchaft der Pariſer Schule zu, während die Antwerpener mit Deutſchland in freund⸗ ſchaftlichen Beziehungen ſteht. Das alles ſind Gründe des zu lange beſtehenden Haders zwiſchen beiden Kunſt⸗ genoſſenſchaften. Nun haben die Brüſſeler Künſtler ſich immer beklagt, daß ihre Werke auf der Ausſtellung zu Antwerpen ſchlechtere Plätze als die deutſchen erhielten und heuer eine Eingabe an die Antwerpener Kommiſſion geſchickt, worin ſie ihre Beſchwerden vortrugen und auf Abhilfe derſelben drangen. Die Kommiſſion aber wies dieſe Beſchwerden als unbegründet zurück, worauf die Künſtler der Belgiſchen Reſidenz einſtimmig beſchloſſen, die Antwerpener Ausſtellung nicht zu beſchicken, ſondern ſelbſt eine ſolche zu veranſtalten und die auswärtigen Künſtler zur Einſendung ihrer Werke aufzufordern.

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