Jahrgang 
1864
Seite
25
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Literatur und Kunſt. 23

Bald nach ſeiner Rückkehr lernte er Kaſpar Hauſer etwas für ihn. Wirklich zählte ihm der Beamte eine

kennen, der ihn faſt täglich beſuchte. Eines Tages äußerte derſelbe den Wunſch, einer Probe im Theater beiwohnen zu können. Jener nahm ihn mit, da gerade Probe zurZauberflöte war. Er hörte in der Cou⸗ liſſe aufmerkſam zu und Alles ſchien ſeine Neugierde auf's Höchſte zu ſpannen. Als er aber ſah, daß die drei Damen unter Donnerſchlägen verſanken, fing er laut an zu ſchreien und lief bleich wie ein Geſpenſt zum Theater hinaus, ohne je wieder eine Probe zu be⸗ ſuchen. Später ſah ihn Hyſel in der Loge des Bür⸗ germeiſters, als KotzebuesAbbée de 1Epée gege⸗ ben wurde. Das unglückliche Schickſal des jungen taubſtummen Grafen Julius ſchien tiefen Eindruck auf ihn gemacht zu haben, denn man ſah ihn Thränen ver⸗ gießen. Seit dieſer Zeit kam er faſt gar nicht mehr ins Theater.

Was mit dem baufällig gewordenen Hauſe ge⸗ macht werden ſollte, war eine Frage, die nach vielem unerquicklichen Hin⸗ und Herberathen und Dafür⸗ wie Dagegenreden endlich dahin entſchieden wurde, daß ein Neubau ausgeführt werden ſolle. Dies jetzt noch ſte⸗ hende Theater ward am 1. Oktober 1833, unter fortge⸗ ſetzter Leitung der Frau v. Trentinaglia, eröffnet. Hyſel hatte ſich wieder mit ihr geeinigt und trat gleich am erſten Abend auf, freundlich vom Publikum empfangen. Trotz der neuen Bühne aber kam es nun bald zu dem längſt, bereits im alten Hauſe gefürchteten gänzlichen Ruin des Unternehmens genannter Dame. Nach ihr folgten noch bis auf heutigen Tag nicht weniger als acht andere Direktoren. Die verſchiedenen, bei ihnen herrſchenden Verhältniſſe aber, von Hyſel ſehr ausführ⸗ lich dargelegt, dürften doch einem Leſerkreiſe, dem das lokale Intereſſe fehlt, nicht ſo anziehend erſcheinen, als daß wir hier auf ſie noch weiter eingehen möchten. Nur noch mehrere Einzelheiten wollen wir mittheilen, zu⸗ nächſt etwas nicht auf das Nürnberger Theater Be⸗ zügliches.

Auf einer Ferienreiſe lernte Hyſel in Salzburg Frau von Nießen, die Witwe Mozarts, kennen.Sehr ergriff mich ſchreibt er bei der Gelegenheitim Laufe des Geſprächs eine von ihr gleichſam an den Todten gerichtete Frage, ob wohl der unvergeßlich theure Mann wiſſe, daß es ihr jetzt ſo gut gehe, bei ſeinem Sterben ſeien 12 Kreuzer im Hauſe geweſen.

Von einem der ſpäteren Herren Direktoren den Namen des noch Lebenden mag man im Buche ſelber nachleſen erzählt Hyſel unter vielem Andern, was, mild geſprochen, unſer lebhafteſtes Erſtaunen dar⸗ über, daß dergleichen möglich, hervorrufen muß, auch folgendes Freundſchaftsſtückchen. Mit dem Gagezah⸗ len nahm es der Betreffende nichts weniger als genau, und beſonders war unſer alter Bekannter der Glück⸗ liche, der oft lange Zeit keinen Kreuzer zu ſehen be⸗ kam. Wenn er etwas ſagte, gab Jener zur Antwort: Du biſt mein Freund, Du kannſt ſchon warten. Als es ihm aber einmal doch zu lange dauerte, verlangte er dringender als ſonſt ſein Geld. Da erhielt er denn den Beſcheid, er möge zum Kaſſirer gehen, der habe

Summe in Kronenthalern auf. Doch gerade in dem Moment kam der Direktor voller Haſt gelaufen und ſagte:Kaſſirer! ich brauche großes Geld, geben Sie dem Hyſel andere Münze! Nicht wahr, Du nimmſt auch kleine?Warum nicht, antwortete der Befragte,mir ſoll das gleich ſein. Der Direktor packte die Kronen⸗ thaler zuſammen und ging fort, der Kaſſirer aber lachte hinter ihm her, öffnete ſeine Geldlade und bedeutete unſern Freund, daß er keinen Kreuzer mehr habe, das ſei Alles geweſen, was Jener mit fortgenommen. So war denn Hyſel wieder der Betrogene. An einen an⸗ dern Direktor verlor er mehrere hundert Gulden beim Bankerott, für einen dritten verſetzte er ſeine Pretioſen, bekam ſie aber nie zurück.

Zum Schluß noch zwei Kurioſa. An einem Faſt⸗ nachtsdienſtag kam jener erſte der hier erwähnten Di⸗ rektoren auf den Gedanken,das Donauweibchen in verkehrter Beſetzung zu geben. Die männlichen Rollen wurden von Damen, die weiblichen von Herren ge⸗ ſpielt, Hyſel ſelber mußte als Nixe Hulda erſcheinen. Er berichtet jedoch, der Spaß habe nur einen Akt lang amüſirt. Ganz neu war es uns zu hören, daß der berüchtigteHund des Aubry, jener mimende Vier⸗ füßler, der Goethe von der Intendanz vertrieb d. h. natürlich nicht derſelbe, ſondern ein anderes darauf dreſſirtes Exemplar noch vor wenigen Jahren wie⸗ der einmal auf der Nürnberger Bühne erſchien. Dra⸗ gon, der Hund, wurde ſtürmiſch gerufen!

Literatur und Kunſt.

Ein intereſſanter Fund. Auf der Baſeler Univer⸗ ſität iſt vor kurzem ein gerade für deutſche Literaturfreunde ſehr intereſſanter Fund gemacht worden. Es iſt dies ein Gedicht des im 15. Jahrhundert zu Straßburg lebenden Sebaſtian Brandt, des berühmten Verfaſſers desNarren⸗ ſchiffs. Die Dichtung ſtammt aus der Zeit, da Brandt ſich in Baſel aufhielt, und behandelt in poetiſcher Weiſe die Kunde von dem im Jahre 1492 zu Enſisheim nieder⸗ gefallenen erſten Meteorſtein. Hoffentlich wird das neu⸗ entdeckte Werk veröffentlicht werden.

Eine engliſche Ueberſetzung des zweiten Theiles vomFauſt. Vor nunmehr neunundzwanzig Jahren gab John Anßer, Profeſſor der Rechte an der Univerſität zu Dublin, eine metriſche engliſche Ueberſetzung des Goethe⸗ ſchenFauſt(erſten Theil) heraus. Jetzt iſt dieſelbe in neuer Auflage erſchienen, erweitert um eine Uebertragung auch des zweiten Theils der Tragödie, welche ein ebenſo inniges Verſtändniß der Dichtung verräth, als die frühere Arbeit. So viel wir wiſſen, war der zweite Theil bisher noch nie in's Engliſche überſetzt worden.

Eine Büſte Meyerbeer's. Man hatte es Napoleon einigermaßen übel gedeutet, daß er vom Tode Meherbeers ſo gar keine officielle Notiz genommen. Jetzt liegt indeſſen die Sache anders, denn der Marſchall Vaillant hat als Miniſter des kaiſerlichen Hauſes den Bildhauer Dantan (den Jüngeren) beauftragt, eine Büſte des Verſtorbenen anzufertigen, die auf Beſehl der Regierung künftig den Saal des Konſervatoire ſchmücken ſoll.

Ein Muſeumsgebäude in Karlsruhe. Der Groß⸗ herzog von Baden will in ſeiner Reſidenz einen roßen Bau in monumentalem Styl aufführen laſſen, welcher die