Aus dem Leben eines alten Schauſpielers. 21
tungen dieſer wahren Begebenheit zu machen, wir ver⸗ ſichern aber, daß Niemand die Zeit oder das Geld be⸗ treffende eine Reue haben werde, wir hoffen in derſel⸗ ben Vorſtellung alle Satisfaction zu geben.“ Ein an⸗ deres Stück betitelt ſich:„Der heilige Krieg derer Prie⸗
ſter und Leviten, in dem Tempel des Herrn, oder der in
ſeinem ſiebenden Jahr zum König in Iſrael gecrönte Joas und die blutig⸗ untergehende Großmutter in AT§ AL A, Wittib des Achaſias, und eine Tochter Jezabel. NB. Der Inhalt iſt zu leſen im 2. Buch der Könige, 11. Capitel, 1 biß 21 Verß.“ Welche Um⸗ ſchreibung für den einfachen Titel„Athalia“ von Ra⸗ eine! Zu einem Schauſpiel:„Die Wagſchale engliſcher Gerechtigkeit und Gerechter Beſtändigkeit, erwieſen an dem großmüthigen Rechts⸗Gelehrten, gewiſſenhaften Juriſten und Staatsminiſter Thomas Morus“ wird noch die Bemerkung gemacht:„Dieſem ſo ſchönen Schau⸗Spiele, ſo wir billig ein Trauer⸗Spiel nennen könnten, ſind einige Zwiſchen⸗Spiele beygeſetzet, die doch dem Hauptſtück nichts angehen, doch kommt in ſelben weder etwas ſchmutziges noch abgeſchmacktes vor; indem der Verfaſſer bloß darauf geſehen, diejenigen, die einen erlaubten Scherz gerne mit anſehen, in ihrem Vergnü⸗ gen zu unterhalten. Ein Duell zweier Frauenzimmer iſt ſonderlich luſtig, bey welchem Luiſe, eine vermeinte Fendrichin, erſtochen wird.“„Die Perſon zahlet“— ſo leſen wir weiter—„wie gewöhnlich einen Batzen.“ Höchſt naiv nimmt ſich eine Notiz auf dem Zettel einer Abſchiedsvorſtellung aus:„Das geehrte Publicum wird höflichſt erſucht, ſich zahlreich einzufinden, damit die Ae⸗ teurs ihre Rollen mit deſto gröſſern Vergnügen vorſtel⸗ len können, um auch mit Ehren abreiſen zu können, ohne einen Rückſtand zu laßen.“ Ein„Luſtſpiel von drey Aufzügen“ nennt ſich:„Bernardon der dreyßig⸗ jährige ABC Schüler oder der reiche Bauer und der arme Edelmann, mit Fiametta, einer argliſtigen und zuletzt glücklich gewordenen Haubenhefterin.“ Dabei ſtehen die Worte:„Dieſes Stück iſt von unſerem Im- presario auf ſeinen eigenen Charakter verfertiget, es iſt eben ſo voll der luſtigſten Auftritte, des reinſten Scher⸗ zes, als der beſten Lehrſätze; es zeiget, wie viel an einer guten Erziehung gelegen, es ſtellet den verwerflichen Stolz eines unvermuthet reich gewordenen Bauern ab⸗ geſchmackt und lächerlich vor. Es bildet die Tugend in der Armut unnachahmlich und iſt durchaus ergötz⸗ lich.““ Der Mozartſchen„Entführung“ gab man fol⸗ gende Rekommandation mit auf den Weg:„Das Thea⸗ ter beſitzt unzählige, vortreffliche Arbeiten berühmter Tonkünſtler; Italiener, Franzoſen und Deutſche haben in der Muſik Sachen geliefert, die jeden Freund dieſer edlen Kunſt ſchätzbar ſind; aber ob von allen den Mei⸗ ſterarbeiten eine mit mehr Kunſt, mit mehr Natur iſt geſetzt worden, ob eine reicher an hinreiſſenden Harmo⸗ nien, an Schönheiten für ein edles Gefühl iſt, als Mo⸗ zarts Meiſterwerk, das bezweifl ich ſehr. Auch der größte Muſikfeind muß hier, wo nicht warm, doch etwas laulicht für die Kunſt werden.“
Mit der am 27. December 1798 Abſchied neh⸗ menden Geſellſchaft des Direktors Louis Cella endete
einen Neubau ausführen.
das theatraliſche Nomadenleben in Nürnberg und es begann nun ein feſtbeſtehendes Bühnenweſen. Der Gaſtwirth im Reichsadler, Aurnheimer mit Namen, ein ungemein praktiſcher, thätiger, in alle Verhältniſſe ſich ſchickender Mann, reichte nämlich 1799, da das alte Opernhaus baufällig geworden war, den Plan zur Er⸗ richtung eines neuen Schauſpielhauſes ein, und er er⸗ hielt, nach mancherlei Kämpfen und Mühen, auch wirk⸗ lich die Erlaubniß, auf ſeine eigenen Koſten natürlich, Am 6. April 1801 war derſelbe vollendet und wurde die Bühne mit einem Prolog und Kotzebue's„Bayard“ eröffnet. Direktor des Unternehmens war kein Anderer als der in allen Sätteln gerechte, frühere Wirth Aurnheimer ſelber. Sein Gebäude nahm ſich für die Begriffe und Anforderungen von damals ganz gut und ſtattlich aus, im Aeußern wie im Innern. Recht ſinnig gewählt war ein Spruch über dem Vorhang:„Siehe hier im Kleinen alle Sce⸗ nen der großen Welt: Weine, lache, gehe gebeſſert von dannen.“
Daß Aurnheimer es ſich angelegen ſein ließ, Gutes zu geben, beweiſen z. B. die unter ſeiner Leitung ſtatt⸗ gefundenen Gaſtſpiele Ifflands, Ludwig Devrients, der Hendel⸗Schütz, die Engagement Eßlairs, des noch le⸗ benden Anſchütz in Wien u. ſ. w. Daß ſein Eifer aber endlich erkaltete, ſeine Luſt ſich abſchwächte, hatte man den vielen Verdrießlichkeiten und Aergerniſſen zuzu⸗ ſchreiben, die den geplagten Mann trafen. Nament⸗ lich Eßlair, der Berühmte, machte ihm das Leben ſauer mit allerhand Chicanen und Intriguen. Näheres leſe man in Hyſels Buche nach. Aurnheimer verkaufte alſo ſein Privilegium 1808 an den Direktor Reuter, und auch dieſem iſt nachzurühmen, daß er das Beſte gewollt habe. Unter ihm befanden ſich z. B. in Nürnberg der nachmals in Frankfurt a. M. gefeierte Leonhard Meck (ein geborener Fürther) und Gnauth(ſpäter in Stutt⸗ gart). Gäſte waren u. A. Wurm, Döbbelin, Eliſe Bürger(die geſchiedene dritte Frau des Dichters), Mlle. Metzger(die ſpätere Vespermann) u. ſ. w. Nach dem Tode Reuters 1816 führte ſeine Witwe das Unterneh⸗ men noch bis 1819 fort, dann wurde der Schauſpieler Braun Direktor. Dieſer gab zum erſten Mal in Nürn⸗ berg den„Freiſchütz“, und zwar in ſo gelungener Weiſe, mit ſo glänzender Ausſtattung, daß der König von Baiern bei einem Beſuch der Stadt ihm erklärte, die Oper mache ſich beſſer als in München, und als Be⸗ weis ſeiner Zufriedenheit ihn lebenslänglich zum Oeko⸗ nomie⸗Inſpektor ſeines Hoftheaters ernannte. So ging Braun 1824 nach der Hauptſtadt, und ſeine Nachfol⸗ gerin wurde ein Mitglied der Münchener königl. Bühne, Frau Marianne v. Trentinaglia. Dieſe, eine Dame von Welt, in großen Verhältniſſen aufgewachſen, wollte tetztere nun auch in Nürnberg um ſich haben; es ward Alles auf hohen Fuß geſtellt, und z. B. ein eigener Dra⸗ maturg in der Perſon Auguſt Lewalds, ſowie ein eige⸗ ner Dekorationsmaler und Maſchiniſt in dem bekannten Mühldorfer engagirt. Natürlich erſcheint es, daß unter ſolchen Umſtänden die pekuniäre Exiſtenz des Unter⸗ nehmens der Frau v. Trentinaglia bald gefährdet war.


