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Kleroth: Prager Sagen.
des und Volks, unſerer Kunſt und Wiſſenſchaft einge⸗ arbeitet; aber der Franzoſe ſchlägt ihn doch jeden Au⸗ genblick in den Nacken. Nun, um eine müßige Stunde auszufüllen, dazu iſt das Buch noch immer gut genug.
Prager Sagen. Von Kleroth.
Bas nächtliche Täuten.
n der Schloßſtiege ſteht zur linken Seite ein Haus, in welchem, wie die älteſten Leute be⸗ haupten, es umgehen ſoll. Man hört zu Zeiten um Mitternacht den Schall einer Glocke, deren Ton das ganze Haus durchdröhnt und die
Schläfer in ihrer Ruhe ſtört. Wer einmal den
Ton dieſer unſichtbaren Glocke gehört hat, kann ihn nicht mehr vergeſſen. Er ſteht mit unauslöſchlicher Ge⸗ walt vor der Erinnerung, welche durch den Schall einer jeden Glocke mit erneuter Kraft zurückgerufen wird und den Hörer in eine nervöſe Aufregung verſetzt.
Die Folge dieſer ſeltſamen Erſcheinung war, daß nach und nach alle Inwohner das Haus verließen und dasſelbe leer ſtehen blieb. Da ereignete es ſich, daß vor vielen Jahren eine reiche junge Witwe mit ihrer Diener⸗ ſchaft vom Lande in die Stadt kam und auf der Klein⸗ ſeite eine Wohnung ſuchte. Da das Spukhaus eine für ſie paſſende Lage hatte, es auch ſonſt im Innern ge⸗ räumig, die Wohnbeſtandtheile zweckmäßig eingetheilt waren, ſo miethete ſie das Haus zur großen Freude des Beſitzers, welcher einige Häuſer entfernt wohnte. Ob⸗ gleich der Ruf, daß es im Hauſe ſpuke, auch zu ihren Ohren drang, ſo lachte ſie doch dazu, und meinte, ſie als die Witwe eines Huſarenrittmeiſters werde ſich durch ſolche Albernheiten nicht einſchüchtern laſſen, und ſei feſt entſchloſſen, dem Spuk mit aller Energie entgegenzu⸗ treten. Sie bezog daher auch das Haus, quartirte ſich im erſten Stock ein und ließ ihren Bedienten ſammt ſeiner Familie das zweite Stockwerk bewohnen.
Da die Zimmer durch ihre eleganten Möbel einen ſehr heitern Anſtrich erhielten, ſo fühlte ſie ſich gleich ſo heimiſch und behaglich in ihrer neuen Wohnung, daß ſie nicht begreifen konnte, wie ſie eines thörichten Vor⸗ urtheiles wegen ſo lange leer ſtehen konnte. Sie ließ daher noch am Abend des erſten Tages, nachdem ſie ſoupirt hatte, den Hausmeiſter durch ihren Bedienten zu ſich beſcheiden, weil ſie mit ihm etwas zu ſprechen hatte.
Als der alte Mann ſchüchtern in ihr hellbeleuch⸗ tetes Boudoir eintrat und an der Thüre ſtehen blieb, da winkte ſie ihn zu ſich und ſagte:
„Glaubt Ihr, daß ich dieſe Wohnung, mit der ich ſo zufrieden bin, durch einen nächtlichen Spuk zu ver⸗ laſſen gezwungen ſein werde?“
„Euer Gnaden, das kann ich nicht voraus wiſſen; wenn Sie Muth genug haben, den ſchrecklichen Klang
dann vielleicht werden Sie bleiben, im Gegentheil aber
ausziehen wie die übrigen Parteien,“ entgegnete der
Hausmeiſter und drehte ſeine Mütze verlegen zwiſchen den Fingern.
„Und wie kommt es, Alter, daß Ihr noch im Hauſe wohnt, da Ihr doch gewiß den Klang der Glocke
eben ſo gehört habt, wie die anderen Inwohner des⸗ ſelben.“
„Das kommt daher, Euer Gnaden, weil ich arm bin und dem lieben Gott danken muß, daß ich dieſe Hausmeiſterſtelle erhielt und behalten darf. Wäre ich ſo reich wie die andern Herrſchaften, die hier wohnten, ich wäre keinen Augenblick in dieſem verrufenen Hauſe ge⸗ blieben, ſo aber bete ich fleißig zu Gott, daß er mir Kraft gebe, dieſen ſchrecklichen Klang zu hören und ſo habe ich mich denn auch mit Gottes Hilfe daran ge⸗ wöhnt.“ 1
„Und könnt Ihr mir nichts Näheres mittheilen, wie es kommt, daß die Glocke ertöne und ihr Klang einen ſo fürchterlichen Eindruck mache?“
„Ich habe nur einmal in meiner Kindheit gehört, daß vor mehr als hundert Fahren die Beſitzerin des Hauſes, ſchön wie ein Engel, von ihrem Gatten in einem Anfall von Eiferſucht ermordet wurde, daß, als ihr Gemal ſie in ihrem Schlafgemach überfiel, ſie die Klin⸗ gelſchnur erfaßte, um ihrer Dienerſchaft zu läuten, der Mörder aber den Glockenzug abſchnitt und ſie ſo außer Stand ſetzte, Hilfe zu finden, um ſeine fürchterliche That zu vollenden. Und ſeit jener Schreckensnacht ſoll der Geiſt der Ermordeten umgehen und die Glocke, die einen verzweiſlungsvollen Ton hat, erſchallen.“
„Und hat ſich denn noch Niemand gefunden, der dem Spuk auf die Spur kam und ihn natürlich zu er⸗ klären verſtand?“
„Nein, Euer Gnaden! Man hat ſich wohl bemüht, die Urſache dieſes nächtlichen Läutens zu ergründen, allein vergebens. Es iſt und bleibt ein Geheimniß, welches wohl erſt am jüngſten Tag enthüllt werden wird,“ ſagte der Hausmeiſter und hob die Augen andächtig zum Himmel empor.
„Ich danke Euch für die gefällige Auskunft, viel⸗ leicht wird es mir gelingen, den Spuk zu bannen und zu beweiſen, daß ich Muth habe, hier auszuhalten, und ſollte es auch jede Nacht läuten, bis ich mich endlich wie Ihr daran gewöhnt habe.“
„Das gebe der Himmel. Niemand wäre über dieſe Ausdauer glücklicher als der Hausherr. Nun küſſe ich Euer Gnaden die Hand und wünſche von ganzem Her⸗ zen recht wohl zu ſchlafen!“ entgegnete der Hausmeiſter, machte eine tiefe Verbeugung und wollte ſich entfernen. Die Witwe aber winkte ihn zu ſich und drückte ihm als Lohn für ſeine Auskünfte ein Silberſtück in die Hand, worauf der Hausmeiſter mit einer noch tieferen Verbeugung das Zimmer verließ.
Die Witwe befahl nun ihrem Stubenmädchen, ſie auszukleiden, und legte ſich zu Bette. Da ſie ſehr er⸗ müdet war, ſo entſchlief ſie bald, von angenehmen Träumen umgaukelt.
der Glocke zu hören, ohne vor Furcht krank zu werden,
Sie mochte beiläufig eine Stunde geſchlafen haben,
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