Jahrgang 
1864
Seite
12
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10 Politiſche Ueberſicht.

Stadt und Vorſtädte nach allen Richtungen hin durch⸗ zieht, und nur am Hauſe des Bürgermeiſters und Vice⸗ bürgermeiſters einen kurzen Halt macht, um die Fahne zu ſchwenken und ein Lebehoch zu bringen, ehe er ſich nach dem Gewäſſer begibt, auf welchem die eigentliche Feſtlichkeit vor ſich gehen ſoll.

Früher war es der Fluß, ſpäter wählte man einen dazu geeigneten größeren Teich in der unmittelbaren Nähe der Stadt, jetzt iſt es der Teich in Schimmels Garten, auf dem gegen vier Uhr Nachmittags das Stechen ſeinen Anfang nimmt.

Auf einer feſtlich geſchmückten Gondel, deren Brüſtung die Innungsfahne ziert, nehmen die alten Herren, auf einer andern die Muſiker Platz, deren Thätigkeit nun von Neuem beginnt. Die Uebrigen ver⸗ theilen ſich zu Zweien auf leichte Kähne: der Eine, um vom Hintertheil aus das Fahrzeug zu lenken, der Andere, welcher vorn auf der äußerſten Spitze ſteht, um mit zum Kampfe eingelegter Stange Jedem Trotz zu bieten, der ihn aus ſeiner Stellung verdrängen oder in's Waſſer ſtürzen will, und ſeinerſeits jeden Gegner vom Kahn herabzuſtoßen. Von Zeit zu Zeit wechſeln die Inhaber eines Botes ihre Rollen.

Bevor die Kähne vom Ufer ſtoßen, erſcheint zum großen Jubel der Zuſchauer Bajazzo auf einer Tonne reitend im Waſſer, und nimmt nach allen Seiten hin grüßend ſeinen ſpitzen Filzhut ab, ein Fiſcher ſteuert jedoch auf ihn los, zieht ihn, da er ſich in ſeine Tonne verkriecht, aus dieſer heraus, und ſchlägt ihn mit der Pritſche, daß die Schläge weithin wiederhallen. Nun fangen die Stechen an. Die Kähne werden hier und dort je zwei mit einander handgemein, unter dem jauch⸗ zenden Beifall der am Ufer Stehenden und dem brau⸗ ſenden Tuſch des Muſikchores ſtürzt bald der, bald jener überwundene Kämpfer in die Fluth, der Sieger oft wenige Minuten nach dem Beſiegten, wenn ein ſtärkerer die Waffe gegen ihn erhoben, und ſelbſt der Bajazzo nimmt am Kampfe CTheil, der immer heftiger ſich ent⸗ ſpinnt und nicht eher aufhört, als bis Jeder das unver⸗ meidliche Bad genommmen hat, und die Mohren ſogar, dem bekannten Sprichwort zum Trotz, weiß gewaſchen worden ſind. Die Kämpfer erholen ſich einige Minuten von den gehabten Anſtrengungen, während welcher Zeit an einer Leine, die ſchon vorher über die ganze Breite des Gewäſſers geſpannt worden war, ein lebendiger Aal mit einer ziemlich ſtarken Schnur befeſtigt wird. Dann beſteigen die Kämpfer von Neuem ihre Bote, und verſuchen Einer nach dem Andern den Aal zu er⸗ greifen und abzureißen. Da der Kahn raſch unter dem Seile dahingleitet, muß der Muthige, welcher den ſchlüpfrigen Fiſch gefaßt hat, ſich an ihm feſt und ſchwe⸗ bend über dem Waſſer halten, bis der Faden reißt. Früher oder ſpäter, je nachdem ſeine Kräfte ausreichen, muß in der Regel Jeder ſeine Beute fahren laſſen. Er verſchwindet, von allgemeinem Gelächter und Halloh begleitet, unter dem Waſſer und ſchwimmt ſeinem Bote nach, und oft haben Alle dieſen Verſuch mehrmals wiederholt, ehe es Einem gelingt, die endlich mürbe ge⸗ wordene Schnur zu zerreißen.

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In derſelben Ordnung, in welcher ſie gekommen, ziehen nun die durchnäßten Fiſcher mit Muſik in ihre Wohnungen zurück, um ſich umzukleiden und mit ihren Damen zum Feſtmahl und Ball nach dem Saal der großen Funkenburg zu fahren, wo auch, wenn das Geld reicht, noch an den beiden folgenden Abenden geſchmauſt und getanzt wird.

Politiſche Ueberſicht. 8

Jrag, am 22. Juni 1864.

Die Konferenzſitzung, welche wider alles Erwar⸗ ten am 18. Juni ſtattgefunden hat, hat bereits eine ganze Fluth von Mittheilungen und Gerüchten im Gefolge, ſo daß man kaum eine Ordnung in dieſe Maſſe bringen kann. Das Eine erhellt aus allen dieſen Berichten, daß die Chancen für den Frieden wirklich geſtiegen ſind, und daß ſich England trotz ſeiner waffenraſſelnden Sprache noch immer bemüht, eine Baſis der Vermittlung zu finden. Die Konferenzſitzung währte fünf Stunden, was ebenſo zu optimiſtiſchen als peſſimiſtiſchen Befürchtungen Anlaß gab. DemWdr. wird mitgetheilt, daß es ſich haupt⸗ ſächlich um eine Verlängerung des Waffeenſtillſtandes handelte, und daß Graf Apponyi und Bernſtorff wiederum erklärten, die deutſchen Alliirten würden nur in einen längerén Waffeuſtillſtand willigen, Dänemark jedoch will nur darauf eingehen, wenn eine beſtimmte Grenzlinie feſt⸗ geſtellt worden iſt. England habe nun eine ſolche propo⸗ nirt und zwar von Geltünd nach Bredſtedt, und der fran⸗ zöſiſche und ruſſiſche Bevollmächtigte hätten ſich derſelben angeſchloſſen. So weit derWanderer. Nach anderen Berichten jedoch hat Eugland die Beſtimmung der De⸗ markationslinie durch einen Schiedsſpruch vorgeſchlagen und zwar hätten die Neutralen den König der Belgier als Schiedsrichter beantragt, England jedoch den Kaiſer von Frankreich als ſolchen in Antrag gebracht, da König Leopold, als Verwandter der däniſchen Königsfamilie, das Amt nicht annehmen würde. Hinzugefügt wird, daß in der Sitzung ausgeſprochen wurde, die Demarkations⸗ linie dürfe weder die von den Alliirten geforderte, noch die von Dänemark bezeichnete ſein, ſondern müſſe zwiſchen beiden liegen. Die nächſte Konferenzſitzung iſt bekanntlich auf Mittwoch den 22. d. M. anberaumt.

Ueber eine Zerreißung des Landes denkt man ſehr ungünſtig in Schleswig. Der Berliner Korreſpondent der Times(bekanntlich früher Korreſpondent vom Kriegs⸗ ſchauplatze) glaubt nicht genug hervorheben zu können. daß, wie ihm die Volksſtimmung in Nordſchleswig be⸗ kannt ſei, eine Theilung Schleswigs nur die Quelle großer Unzufriedenheit ſein und eine geradezu feindliche Stim⸗ mung gegen Dänemark ſelbſt bei demjenigen Theile der Bevölkerung hervorrufen werde, der für Deutſchland bis⸗ her die verhältnißmäßig geringſten Sympathien gezeigt habe. Als Beleg für dieſe Anſicht fügt der Korreſpondent ein ihm zugegangenes Schreiben von einem der bedeu⸗ tendſten Gutsbeſitzer an der Nordgrenze Schleswigs bei, in welchem es heißt: Viel iſt über unſer zukünftiges Schickſal bereits diskutirt worden, und wenn dieſe Dis⸗ kuſſionen auch zu keinem anderen Reſultate führen ſollten, ſo ſteht doch ſo viel feſt, daß ſie die ſchleswig'ſche Be⸗ völkerung mehr geeinigt, das heißt den Bruch zwiſchen Schleswig und Dänemark erweitert haben. Alle, welche noch vor Kurzem für den däniſchen Geſammtſtaat oder für die Perſonalunion waren, ſind in letzterer Zeit zu der ſchleswigeholſteiniſchen Partei übergegangen, und wenn wir nach der Urſache dieſer Schwankung fragen, ſo er⸗ halten wir die Antwort, daß das Geſpenſt der Theilung Schleswigs den erſten Anlaß hierzu gab. Ein Zerreißen Schleswigs, wo auch die Grenzlinie gezogen werden möge,

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