112. Cenſura Artic. I.
das erfte/ von der Liebe Gottes/ das ander von deréiebe deß Nech ſten/ wie jjn
Chriſtus Summariſcher Weiß erzehlet Matth. 22. v. 7.38 35. Oder muß eins dieweit Auauſtinus zeugt/ daß dte Richtſchnur aller Gebot ſeye die Lie⸗
be/ ſo gebotten vnd die boͤſe Luſt/ ſo verbotten wird. Aber das leſſet fich ſonie
thun/ ſondern muß dem Geſetzgeber hlerin gefolget werden/ da vns dann Chriſtus ſelbſt den Vnterſcheid vnter der boͤſen Luſt/ deß neundten vnnd ze⸗ henden Gebots zu finden/ gute Anleytung gibt/ da er Matth 5. v. 28. lehret/ Wann einer auch nur ein Weib anſehe jrer zu kehere ſ habe er ſchon die Ehe gebrochen in ſemem Hertzen. Gehoͤrer nun die b
ſten Weib zugleich in das ſechſte vñ zehende Gebot/ ſo wird freylich ein Vn⸗ terſcheid darunder ſeyn. Dann die oͤſe Luſt hat jhren gradus, wie dieſelbigen S. Jacobus fleiſſig anmercket in ſeiner Epiſtel am Cap. v. 15. vnd zeigt vns auch S. Paulus den rechten Grund/ Rom. 7. v.. da er vnterſcheidet die boͤſe Luſt/ wie ſie in der verderbten Natur ſtecket vnd verborgen ligt/ darnach
wie fie ſich regt vnnd hervor bricht/ auch wol den Menſchen ſo weit antreibt/
daß er im Werck erfüͤllet das boͤſe deſſen jhn geluͤſtet hat. Wollen wir noch ein Exempel haben? Wer ſeines nechſten Gut vnzim⸗
lich begehret/ der iſt ein Dieb in ſeinẽ Hertzen vnd fundiget wider das fiebende
Gebot: Duſolſt nit ſtelen. Nichts deſtoweniger aber wird auch im neund⸗
ten Gebot verbotten: Du ſolt nicht begehren deines nechſten Hauß. Auß welchem allem ein jeder verſtendiger leichtlich abnemen kan/ d freylich
ein groſſer Vnterſcheid ſey vnter dem geluͤſten/ ſo wol was die boͤſe Luſtan
ſich ſelbſt belangt/ die jhre vnterſchiedene gradus hat/ als auch die jenige dinge/ deren ein Menſch pfleget ſich geluͤſten zn laſſen vnd zu egeren/ wann nun die⸗ ſer vnterſcheid richtig/ vnd darneben Sonnenklar von vns erwieſen worden/ daß alle das jentge, was fremder Gott iſt vnd heiſſet/ in dem erſten Gebot Got⸗ tes verbotten iſt: Du ſolt kein andere Goͤtter haben neben mir/ o ſtehet vnſer Schluß vnbeweglich da daß das Gebot von den Bildnuſſen mit nich⸗ ten ein eigenes abſonderliches Gebott ſeye/ ſondern gehoͤre zu dem erſten Ge⸗ bot/ wie alie Propheten bezeugen/ ſo offt ſie den wahren/ einigen/ ewigen G O T T/ vnnd andere falſche Goͤtter/ Götzen vnnd Bild⸗ nuſſen gegen einander ſetzen/ vnnd auß dem Grund deß erſten Ge⸗ bots wider die Abgoͤtterey flreiten/ wie ſolches auß fuͤhrlich von vns in vnſer Rettuna p.78.& ſeqq.· vnd dero geſtalt erwieſen wor den/ daß Sartorius dar⸗ von erblaſſet/ vnd nicht ein Wort darauff antworten koͤnnen/ derowegen ſol⸗ che gante Tractation anhero mag erholet werden.
ſe Luft gegen ſeines Nech.
EE du
duld. B er uns Ch ſeyen/j


