Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
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aus dem Arbeitsbedürfniß der kleineren Gewerbetreibenden und Taglöhner in Zeiten mangelnden Verdienſtes zu erklären, während in Zeiten flotten Geſchäftsganges das erworbene überſchüſſige Capital wieder in Grund und Boden angelegt wird, ſo daß die Bodenpreiſe in Kirch⸗Brombach wohl ſtets einen hohen Stand behaupten werden. Dann die ſchlechten Erndten der letzten Jahre bei niedrigen Preiſen machen beſonders die geringen Bodenqualitäten völlig unrentabel. Die Laſten bleiben dabei gleich hoch oder ſteigen, beſonders die Gemeindelaſten, die in Kirch⸗Brombach mehr wie das Dop⸗ pelte der Staatsſteuern für Grund und Boden erreichen. Es betrugen beiſpielsweiſe 1884/85 bei dem größeren Gute Grund⸗ und Gebäudeſteuer nebſt Gemeindeumlagen hier auch über 8 pCt. des Rohertrages und 13,7 pCt. der baaren Einnahmen aus dem Gute; bei dem mittleren Gute 4,8 pCt. des Rohertrags und 10,8 pCt. der Ein⸗ nahmen; bei dem kleineren 6,8 pCt. reſp. 11,4 pCt. Dazu die Tilgungsrente von 142,14, 39,52, 14,40 Mk., die erſt mit dem Jahre 1897 aufhört.

Frage X.

Zu welchen Schlußbetrachtungen gelangt die Commiſſion auf Grund ihrer Erhebungen über die Geſammtlage der landw. Bevölkerung der Gemeinde, bezw. von welchen Verhältniſſen oder Maßnahmen glaubt ſie eine Beſſerung der wirthſchaftlichen Lage erwarten zu dürfen?

Es dürfte ſich vor Allem auf den beſſeren Bodenqualitäten eine kräftigere und ſtärkere Düngung durch künſtlichen Dünger empfehlen zur Hebung der gegen früher zurückgegangenen Erträge an Korn und Stroh. Auch wäre für einen Theil der un⸗ durchlaſſenden naßkalten Felder eine Verbeſſerung durch Drainage und tiefere Be⸗ arbeitung zu erſtreben; ſtärkerer Feldgrasbau ſodann bei dem geringen Wieſenbeſitz würde eine Vermehrung des Viehſtandes und folglich auch des Düngers herbeiführen. Es erfordern dieſe Maßnahmen natürlich einen größeren Aufwand an Meliorations⸗ und Betriebscapital, für das ein billiger Credit mit leichten, aber feſten Amortiſations⸗ friſten durch eine Landescreditkaſſe wünſchenswerth iſt.

Doch ſo förderſam ein leichter Credit für den rechnenden Landwirth iſt, ſo ſchädlich kann er auch in ungeübten bäuerlichen Händen wirken, befördert wohl auch eine leichtſinnige Speculation und veranlaßt zu unüberlegten Ankäufen und Ein⸗ richtungen. Es thut deshalb Aufklärung Noth und ſteter Hinweis in landwirthſchaft⸗ lichen Verſammlungen ſowohl wie im landwirthſchaftlichen Unterrichte auf die Noth⸗ wendigkeit der Buchführung und des Rechnens für den Bauernſtand. Frägt der Landwirth erſt einmal, wie hoch ſteht mein Taglohn bei dieſer und jener Arbeit, und ſtellt er Rentabilitätsberechnungen an, ſo wird er wohl öfter und beſſer ſeine Arbeit im Dienſte eines Anderen zu verwerthen ſuchen, als durch hohen Ankauf von Grund⸗ ſtücken, die von vornherein eine Rentabilität ausſchließen und ihm nicht den ortsüblichen Taglohn einbringen.