Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen

Dies im Allgemeinen; im Beſonderen wäre trotz der Schwierigkeiten, die man anerkennt, mit aller Entſchiedenheit auf eine Umgeſtaltung und Hebung des land⸗ wirthſchaftlichen Betriebs hinzuwirken, etwa in folgender Weiſe:

Aufgeben der die Betriebskoſten nicht deckenden ſchlechten Grundſtücke, beſonders der an den Wald grenzenden.

Ferner Verbeſſerung reſp. beſſere Anlage der Feldwege, Anlage von Gewann⸗ wegen oder noch beſſer Conſolidation, auf jeden Fall Beſeitigung des Flurzwangs und Aufgeben der Dreifelderwirthſchaft und Einführung einer verbeſſerten Fruchtfolge.

Hand in Hand mit der Reform des Ackerbaues muß die Viehwirthſchaft eine intenſivere und rationellere werden. So lange Verwendung von Kraftfutter un⸗ bekannt, Futter⸗ und Hackfruchtbau ungenügend ſind, kann die Viehhaltung weder Rente bringen, noch die Stütze des Feldbaues ſein. Die Verwendung von nur 25 Pfennig für Kraftfutter pro Kopf Groß⸗ und Kleinvieh für jeden Tag im Jahr, würde in Ver⸗ bindung mit Futterbau auf dem Feld die Strohfütterung angemeſſen beſchränken und

damit den Strohmangel endgültig beſeitigen. Eine ſo ſicher geſtellte Viehwirthſchaft würde directe und indirecte Leiſtungen hervorbringen, insbeſondere wenn eine ver⸗ beſſerte Faſſelhaltung, die zur Zeit gleichfalls ungenügend, hinzukäme.

Allein um dieſe Umgeſtaltung zum Beſſeren zu bewirken, zumal bei der Ungunſt der Allgemeinverhältniſſe wird es unausgeſetzter Anregung durch Beiſpiel und Be⸗ lehrung bedürfen. Ob die landwirthſchaftlichen Vereine, die ſelber der Reform be⸗ nöthigt ſind, dieſe Aufgabe löſen werden, ob nicht ein directeres Eingreifen nöthig wäre, etwa durch Männer, welche das Studium der einſchlägigen Verhältniſſe zu ihrem Lebensberuf machen und auf Grund der erworbenen Kenntniſſe und Erfahrungen mit Rath und That unterſtützend, anregend Neues ſchaffend wirken könnten, nennen wir ſolche Leute Landwirthſchaftsbeamte oder wie ſonſt, bleibe unentſchieden.

Zweifellos iſt auf dieſem Gebiet für die nächſte Generation der Landwirthe die Ackerbauſchule von hoher Bedeutung. Dieſelbe bedarf indeß, um ihre Aufgabe zu er⸗ füllen, dringend des weiteren Ausbaues. Gut organiſirte, im richtigen landwirth⸗ ſchaftlichen Geiſt arbeitende Ackerbauſchulen müſſen für unſeren Bauernſtand der gute Sauerteig werden, welcher belebend und hebend alle Zweige des landwirthſchaftlichen Betriebs durchdringt.

An die Reform des Feldbaues und der Viehhaltung könnte ſich in beſcheidenen Grenzen eine beſſere Pflege des Obſtbaues anſchließen, für den indeß die klimatiſchen und Bodenverhältniſſe nicht günſtig ſind, ſo daß auf Steinobſt und geringeres Kern⸗ obſt ſich zu beſchränken wäre..

Als ein Geſichtspunkt von größter volkswirthſchaftlicher Bedeutung wäre als Erſatz für die untergegangene Handweberei die Einführung eines anderen Zweiges von Hausinduſtrie in's Auge zu faſſen und verdienen in dieſer Hinſicht die Be⸗ ſtrebungen des Großh. Kreisraths Hoffmann zu Alsfeld auf Einführung des Weiden⸗ baues und der Flechterei Beachtung und Anerkennung, wiewohl zur Zeit der Markt für Flechtwaaren vorübergehend ungünſtig liegt, und es überhaupt fraglich iſt, ob größere Allgemeinerfolge auf dieſem Gebiet zu erzielen ſind.