Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
Seite
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Bei dem kleinen Gütchen ergibt ſich ein gegentheiliges Reſultat. Wir haben hier 2 Stück Großvieh auf 1 ½ Hectar, im Vergleich zu dem Durchſchnittsverhältniß viel zu viel. Die Ernährung desſelben mit ſo wenig Futterzukauf iſt auch nur da⸗ durch möglich, daß, wie in dieſen Verhältniſſen allgemein üblich, das Vieh ſich im Herbſt längere Zeit auf der Waide ernährt und im Sommer von der Familie, namentlich den Kindern, auf den Grundſtücken der größeren Wirthſchaften, den Wegen und Rainen Futter geſammelt und dasſelbe damit erhalten wird. Auf dieſe Weiſe nur iſt es möglich, daß der Stallmiſt, der ohnehin auch gering iſt, nichts koſtet, ſondern der Viehſtand noch mehr producirt, als für denſelben verwendet wird.

Wie die Natural⸗Rechnung bei dem großen Gute zeigt, iſt der Natural⸗Bedarf der Familie ein ſehr beſcheidener und berechnet ſich der Werth desſelben per Kopf und Tag auf rund 49 Pf. Was die kleine Haushaltung betrifft, ſo iſt des Ergeb⸗ niß ein ſehr ungenaues. Es iſt in Ober⸗Moſſau ſo gebräuchlich, daß namentlich im Sommer die Kinder der Taglöhner bei den Bauern zu eſſen bekommen und ſpeciell

hier kommt noch hinzu, daß die Mutter der Frau Hebamme iſt und dadurch oft in

die Lage kommt, ihren Enkeln von dem Ueberfluß an Naturalien, die ihr Amt ein⸗ trägt, abzugeben, deshalb der Natural⸗Bedarf der Familie ein ſo geringer(25 Pf. pro Kopf und Tag).

III. Geldrechnung, beſtehend in den Nachweiſen über Geld⸗ einnahme und Geldausgaben.

Die Geldrechnung weiſt nach, daß der Beſitzer des großen Gutes, welches zur Unterſuchung ausgewählt wurde, am Ende des Jahres(incl. Arbeitsverdienſt) noch einen baaren Geldbetrag von 190 Mk. einbringt, alſo weniger verbraucht, als er eingenommen hat. Rechnet man hierzu noch die Wohnungsmiethe mit ca. 100 Mk. und die nicht verausgabten Verſicherungsprämien, ſo ergibt ſich immer noch ein kleiner Arbeitsverdienſt oder Reinertrag. Dies ſtimmt auch mit der allgemeinen Annahme in der Gemeinde überein, daß der Beſitzer gut ſtehe, aber geringe Fortſchritte mache.

Das Ergebniß der Aufnahme des kleinen Beſitzſtandes weicht weſentlich von dem erſten ab. Die Familie iſt geſund und fleißig, und obgleich die Frau bei ihrer zahlreichen Familie ſehr von derſelben in Anſpruch genommen iſt, verdient ſie doch noch Geld durch Taglohnarbeit; außerdem werden ſie unterſtützt von ihren Eltern, ſo daß die Lebensmittel gekauft, das Minus der Geld⸗Rechnung gedeckt werden kann.

Was die mittlere II. Gruppe der Landwirthſchaft treibenden Bevölkerung in Ober⸗Moſſau anbelangt, ſo beſteht deren Grundbeſitz ebenfalls aus geſchloſſenen Gütern und iſt im Allgemeinen den größeren gleich; nur inſofern iſt dieſelbe in einer beſſeren Lage, als ſie die Arbeiten mit ihren Familiengliedern größtentheils ſelbſt verrichten können, deshalb wenig Arbeiter gebrauchen, folglich auch weniger Ausgaben und vollen Arbeiterverdienſt haben. Wie die Tabelle in Frage VIII zeigt, ſteht dieſe Gruppe auch am beſten.

Wie aus dem Beſitzſtand⸗Nachweis zu erſehen, iſt das Verhältniß des Viehſtandes zum Culturland ein ſehr geringes und wäre zunächſt eine Verbeſſerung desſelben anzu⸗ ſtreben, was gewiß für die Rentabilität des Ganzen von großem Vortheil ſein würde.