Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
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daß ſich bei ihnen die Anpflanzung von Zuckerrüben immer noch am beſten rentire, weßhalb ich erachte, daß man in dieſem Punkte eine nähere Darlegung vorbe⸗ reiten ſolle.

Weiter habe ich gefunden, daß die Anwendung von künſtlichem Dünger noch ſehr zurück bleibt, und glaube beſtimmt, wenn dieſer in größerem Maße und in richtigerer Vertheilung angewendet würde, daß hierdurch namhaft vortheilhaftere Erträge erzielt würden. Ich hatte ſeiner Zeit ſelbſt ein Gütchen in der Gemarkung Ober⸗Hilbers⸗ heim und habe gefunden, daß ſich der künſtliche Dünger ſehr gut bewährte. Vor der Einſaat der Winterſaat ließ ich bei Feldern, welche zweijährigen Klee oder Korn zur Vorfrucht hatten, Superphosphate beigeben, und zwar pro Morgen circa 32 Pfund Phosphorſäure und es war mir hierdurch regelmäßig eine gute Ernte geſichert. Bei der Sommerſaat im Frühjahr vor dem Einſäen der Gerſte und des Hafers nahm ich eine Miſchung von Phosphorſäure und Stickſtoff, und zwar in dem Verhältniß, daß ich 8 Pfd. Stickſtoff mit 16 Pfd. Phosphorſäure vereinigte; ich habe dieſe Miſchung auf Felder, deren Kraftzuſtand mir zweifelhaft erſchien, z. B. wo Gelb⸗ rüben oder Weißrüben waren, pro Morgen ausgeſtreut, und habe in der Regel einen Ernte⸗Erfolg erzielt, der alle meine Erwartungen übertraf.

Weiter glaube ich erwähnen zu ſollen, daß die Milch, welche dorten ausſchließ⸗ lich zu Butter und Käſe verwendet wird und wovon die erzielten Fabrikate an Händler oder ſogenannte Aufkäufer verkauft werden, weit vortheilhafter benutzt werden dürfte, wenn man eine Sammel⸗Molkerei nach dem neuen Syſtem errichtete, wodurch eine conſtante Waare erzielt würde, die auf dem Markte einen ganz anderen Platz einnähme und hierfür gerne viel höhere Preiſe bewilligt würden. Es wäre auch hierdurch den Händlern, welche von verſchiedenen Orten kommen und mit einem Verdienſte von 15 bis 20 pCt. die Waare abſetzen, dieſes Geſchäft abgeſchnitten.

Um das Angeführte vortheilhaft betreiben zu können, glaube ich, wäre es ſehr geboten, wenn man dem Genoſſenſchaftsweſen näher treten würde, und wäre vor allem ein landwirthſchaftlicher Conſumverein nothwendig, wodurch die Artikel, welche die Haus⸗ haltung und beſonders die Landwirthſchaft verlangt, viel billiger und unter den weitgehendſten Garantien beſchafft werden können. Es gibt dieſe Einrichtung auch Ge⸗ legenheit, die verkäuflichen Artikel verwerthen zu können, wodurch der Zwiſchenhandel, welcher hier ſehr ſtark betrieben wird, lahmgelegt würde. Auch wäre es ſehr vor⸗ theilhaft, wenn zum Zwecke der Baarzahlung eine genoſſenſchaftliche Creditkaſſe er⸗ richtet würde, wodurch die Landwirthe in die vortheilhafte Lage kommen, ihre land⸗ wirthſchaftlichen Artikel und häuslichen Bedürfniſſe baar bezahlen zu können, ohne daß ſie dem Wucher, mit welchem ſich gar viele Juden, welche von außen kommen und dieſe Gemeinde frequentiren, befaſſen, ausgeſetzt werden.

Endlich glaube ich nicht übergehen zu ſollen, daß es mir viel vortheilhafter erſcheint, wenn Beſitzer von 1 bis 5 und ſogar bis 7 und 8 Hectar, welche durch⸗ gehends ihre Feldarbeit durch ein Pferd verrichten und neben dieſem 1 bis 3 magere Kühe halten, davon abkämen, und anſtatt des Pferdes, das ſie halten, ein auch zwei

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