23—
Nach Verleſung dieſer Sätze trat die Verſammlung in Berathung und conſtatirte, daß der Zuckerrübenbau in der Gemeinde Ober⸗Hilbersheim keine Zukunft habe, indem für's Erſte die Zuckerrübenpreiſe nicht ſo einladend ſind, daß man die Cultur der Zuckerrüben empfehlen könne; dann liegt Ober⸗Hilbersheim zu weit von der Eiſenbahn entfernt. Die Transportkoſten für die Verbringung der Rüben zur Bahn würden ſich zu hoch berechnen, daher der Rübenbau nicht lohnend ſei.
Zu 2, vermehrte Anwendung des künſtlichen Düngers, erklärte ſich die Ver⸗ ſammlung einverſtanden, ebenſo
Zu 3, vermehrte Verwendung von Kraftfuttermitteln.
Zu 4, die Errichtung einer Sammelmolkerei. Hierüber fand eine größere Be⸗ ſprechung ſtatt. Man empfahl die Einrichtung derſelben, verhehlte ſich jedoch nicht, daß dazu ein qualificirter Unternehmer gefunden werden muß, der in jeder Beziehung der Sache gewachſen ſein muß, wenn die Sammelmolkerei mit Vortheil und Erfolg betrieben werden ſoll.
Zu 6, einer größeren Verwendung der Kühe ſtatt Pferde als Zugvieh, ward eben⸗ falls zugeſtimmt, indem bei der leichten Bebauung des Bodens Kühe ſtatt Pferde bei dem kleinen Landmann ihre Verwendung finden können.
Zu 5, die Errichtung eines Conſumvereins und einer Darlehnskaſſe wurde gleichfalls empfohlen.
Nach Bürgermeiſter Zimmer wäre 1. eine tiefere Lockerung des Bodens em⸗ pfehlenswerth.
Da in der Gemeinde Ober⸗Hilbersheim nur der Kleebau als Futterbau betrieben wird, ſo iſt die Lockerung des Bodens neben einer kräftigen Stallmiſt⸗ oder künſtlichen Düngung nothwendig, um der Kleemüdigkeit desſelben entgegenzuwirken. Erfahrungs⸗ mäßig finden ſich in allen Ländereien, die geſpatet oder tiefer bebaut ſind, ſchönere Kleeerträge, als in ſolchen, die auf die gewöhnliche Weiſe bebaut werden, daher wurde der Untergrundspflu g als ein nothwendiges Ackergeräth empfohlen.
Aus dieſer Frage 1 würde die Frage 2 zu folgern ſein: Größere Ausdehnung des Futterbaues.
Zu 3, daß bei Tiefcultur eine größere Düngung, ob Stallmiſt⸗ oder künſtliche Düngung, ſtattfinden muß, iſt ſo ſelbſtverſtändlich, daß auch dieſe Frage bejahend angenommen wurde.
Zu 4, einer rationelleren Viehhaltung, wurde hauptſächlich hervorgehoben, daß nicht zu viel Vieh im Verhältniß der Futtervorräthe gehalten werde und daß man der Maſtung des Rindviehes mehr Aufmerkſamkeit ſchenken möge.
Die Fragen 5, 6 und 7 wurden als mit denen des Commiſſärs Gaul identiſch betrachtet.
Zu Frage 8, die Herausgabe eines populären landwirthſchaftlichen Blattes, wurden von der Verſammlung die Vortheile, die ein ſolches Blatt für die landwirth⸗ ſchaftliche Bevölkerung habe, anerkannt, man glaubt aber, daß der Ausführung große Hinderniſſe entgegen ſtehen. Zieht man jedoch in Betracht, daß in jedem kleinen Städtchen ein politiſches Blatt exiſtiren kann, um wie viel mehr ſollte ein land⸗


