An Arbeitskräften iſt in Rodheim kein Mangel und genügt die ortsanſäſſige Bevölkerung nicht nur zur Beſtreitung der landwirthſchaftlichen Arbeiten, ſondern gehen noch regelmäßig eine Anzahl Arbeiter nach auswärts, um ſich Arbeit zu ſichern.
b. So gehen z. B. ca. 10 Maurer und Zimmerleute, mit Ausnahme der für das Bauhandwerk ungünſtigen Winterszeit, nach Frankfurt a. M., wo ſie durch⸗ ſchnittlich 3 Mk. pro Tag verdienen; ca. 10 Mann gehen Jahr aus Jahr ein nach Friedrichsdorf in eine Fabrik bei einem täglichen Verdienſt von 2 Mk. Außerdem oerdient die ärmere Bevölkerung während des Winters ca. 9000 M. im Gemeinde⸗ wald, ſo daß bei Berückſichtigung der anderen auswärtigen Arbeitsverdienſte ein Be⸗ trag von ca. 24 bis 25,000 Mk. als außergewöhnlicher Verdienſt angenommen wer⸗ den kann. Eine Hausinduſtrie exiſtirt in Rodheim nicht. Ueberhaupt iſt hier zu conſtatiren, daß die vorhandene Arbeitsgelegenheit nicht ausreicht, der großen Anzahl Kleinbeſitzer mit unter 2 Hectar(ca. 150) genügenden Arbeitsverdienſt zu gewähren, und iſt das ſchon früher als Grund der fortgeſetzten Auswanderung bezeichnet worden.
c. Solche Landwirthe gibt es in Rodheim nicht, überhaupt muß hervorgehoben werden, daß die Bevölkerung im Allgemeinen fleißig, ſparſam und nüchtern iſt.
Frage VIII.
a. Wie vertheilt ſich der ermittelte Betrag der Immobiliarverſchul⸗ dung auf die einzelnen Beſitzgruppen(größerer, mittlerer und kleinerer Grundbeſitz) und auf welche Gruppe entfällt der ſtärkſte Procentſatz der Schuldenlaſt?
b. Datirt der Schuldenſtand aus älterer oder aus neuerer Zeit, im letzteren Fall, wie hat derſelbe im letzten Jahrzehnt zugenommen?
c. Sind in den letzten 5 Jahren die Zinſen und Güterziele im All⸗ gemeinen regelmäßig bezahlt worden oder ſind bemerkenswerthe Rückſtände bekannt?
d. Welche Urſachen haben einen erkennenswerthen Einfluß auf die Ver⸗ ſchuldung z. B. das beſtehende Erbrecht oder die üblichen ehelichen Güter⸗ ſyſteme, unwirthſchaftlicher Ankauf von Grundſtücken zu hohen Preiſen, ungenügendes Betriebscapital, zu frühe Gründung eines eigenen Haus⸗ halts, Verſchwendung und nachläſſige Wirthſchaft, die Aufeinanderfolge ſchlechter Ernten u. ſ. w.?
Die Vorarbeiten zur Beantwortung der Frage wurden in der Weiſe aus⸗ geführt, daß zunächſt ein alphabetiſches Namensverzeichniß derjenigen Bewohner auf⸗
geſtellt wurde, welche mehr wie 0,5 Hectar Grundbeſitz haben. Die Größe der ein⸗ zelnen Güter wurde aus den Vorarbeiten, welche für die 1880 geplante Conſolidation


