Ausgabe 
4.4.1848
 
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Freie Hessische Zeitung.

Alles durch das Volk.

Jeder Arbeit ihr Lohn.

Nr. 8.

Gießen, Dienstag den 4. April

1848.

Die freie Hessische Zeitung erscheint wöchentlich dreimal(Dienstags, Donnerstags und Samstags). Der Preis für die Stadt Gießen ist 1 fl. vierteljährlich, für die übrigen Theile des Großherzogthums Hessen, für das Kurfürstenthum Hessen, das Herzogthum Nassau, die Landgrafschaft Hessen-Homburg und das Gebiet der freien Stadt Frankfurt 1 fl. 15 kr. vierteljährlich, ohne den Bringerlohn. Inseralle aller Art werden von der Verlagsbuchhandlung und der Buchdruckerei von W. Keller angenommen und mit 3 kr. für die

gespaltene Petitzeile berechnet.

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Aufruf eines Försters an Bürger von Stadt und Land.

Der mächtige Wellenschlag der gegenwärtigen Zeit trifft, alles Bestehende überfluthend, ganz besonders unsere Wälder. Man beginnt jetzt lang verhaltene Anforderungen um ausgedehntere Holznutzungen an sie zu stellen; man will auch Waldstreu haben und wirft den Forstbeamten vor, daß sie Beides nicht zureichend gewährt hätten. Es ist wohl wahr, daß viele Forstbeamte, sei es aus Eigensinn

ten, als sie im Juteresse einer wohlverstandenen Volkswohl fahrt hätten thun sollen. Wenn der Volksfreund dieses

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f oder Kurzsichtigkeit, die Waldnutzungen oft mehr beschränk 1

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strenge zu rügen berechtigt ist, so muß er dagegen auch ge recht sein, und darf der größeren Mehrzahl das ehrenvolle Lob nicht versagen, daß sie stets bemüht gewesen, die Wäl

der in den trefflichen Zustand zu bringen, in dem wir sie

jetzt erblicken. Hätte diese mitunter ängstliche Sorgfalt um die Waldungen nicht bestanden, so würden sie gewiß die Erträge nicht zu geben vermögen, auf die wir nun mit Bestimmtheit rechnen dürfen.

Geht in die Waldungen und blickt um Euch! der vierte bis dritte Theil derselben besteht aus noch nicht hau

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baren Nadelhölzern. Deren Stelle nahm früherhin das sagt uns die Geschichte die kräftige Buche und so nütz liche als herrliche Eiche ein, und sie würden noch so bestan

1 den sein, wenn nicht deren Bestände durch Sorglosigkeit, 97 durch Holzfrevel und besonders durch Entziehung der Wald

streu so heruntergebracht, wenn der Boden dadurch nicht so

entnervt worden wäre, daß er nun keine Laubhölzer mehr

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ernähren konnte, und daß derhalb die mit weniger Boden kraft zufriedenen Nadelhölzer kultivirt werden mußten.

Späterhin, wenn durch den Abfall der Nadeln der Boden gebessert sein wird, kann dann wieder Laubholz an gebaut werden.

Jetzt sind wir endlich dahin gekommen, daß wir aus unsern Wäldern größere Holznutzungen ziehen können, und daß auch unsere Nachkommen daran Theil nehmen werden, wenn wir darauf gewissenhaft bedacht sind, daß sie in den alten schlechten Zustand nicht zurückfallen. Es wäre dies um so schlimmer, als eine gar zu lange Zeit verstreicht, bis

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ein den Wäldern zugefügter Schaden wieder geheilt sein kann: unsere Nachlässigkeit würde sich an unseren Enkeln, denen wir für unsere Handlungen Rechenschaft schuldig sind, auf das Strengste rächen. 5

Aber auch Waldstreu wird aus den Waldungen ver langt. Wenn das in angemessenem Maaße geschieht, so kann es noch angehen; wenn dieses aber überschritten wird, so giebt es für die Wälder nichts Nachtheiligeres, als diese Nutzung.

Dem Landbebauer sollte man dies zu sagen kaum nöthig haben: denn der weiß es am besten, daß Laub und Moos der Dünger des Waldes ist, und da er sieht, daß

ihm sein Acker keine Früchte bringt wenn-er ihn nicht ges

düngt hat, so wird er davon auf den Wald schließen können, daß dieser kein Holz hervorzubringen vermag, wenn man ihm Laub und Moos, seine Kraft entzogen hat.

Deshalb überspannt Eure Forderungen nicht, damit Ihr Euch die Waldungen erhaltet, denn diese liefern Euch unentbehrliche Lebensbedürfnisse und sind die Zierde unseres Landes. G.

Ueber die Reorganisation der Kirche und Schule.

Ein neuer großer Morgen ist mit der politischen Frei heit auch für die religibse aufgegangen. Die Nacht des Aberglaubens muß schwinden, das mystische Dämmerlicht wird in Zukunft seinen Reiz verlieren und der helle Tag gleich einem jungen kräftigen lebensfrischen Jünglinge überall⸗ hin seine erwärmenden Strahlen senden. Die knechtende Despotie lehrt: die Religion sei nur da, um dem Staate brauchbare Bürger zu erziehen; der erwachte Volks wille entgegnet: sie ist da, um uns zur Freiheit zu führen, um die geistigen Güter der Menschheit zu pflegen, um uns die reine volle Wahrheit darzureichen, um alle Menschen mit ihrem segnenden Bruderbande zu umschlingen. Das Volk bat es gesprochen: seine Stimme ist Gottesstimme. An euch, den Pflegern der Religion, an den mit den geistigen Gütern der Menschheit Betrauten ist es nun, als Kämpfer der Frei heit auf dem Gebiete der Religion voranzuschreiten; euch geziemt es, das freie Wort von eueren Kanzeln zu rufen, euere Ueberzeugung offen und klar auszusprechen, wie es