Freie Hessische Zeitung.
Alles durch das Volk.
Jeder Arbeit ihr Lohn.
Nr. I. Gießen, Samstag den 18. März 188. zu sichern, müssen noch gesucht werden,— wir hoffen,
Was wir wollen.
Deutschland beginnt eine neue Zeit seines staat⸗ lichen Lebens. Das Volk, das bisher nur bevor⸗ mundet wurde, ist nun zu selbständiger Verwaltung seiner Angelegenheiten berufen.
Wir wünschen eine Zeitung zu gründen, zunächst in dem gesammten Hessen, dann aber auch in weiteren Kreisen des deutschen Vaterlandes das demokratische Element, welchem jetzt der Boden wonnen ist, kräftig und entschieden verfechten soll.
In der constitutionellen Monarchie erkennen wir unter den jetzigen Umständen die ihnen angemessenere Form des Staats; die Regierung aber soll nur der Ausdruck des Volkswillens sein, und nicht der Willkür einer besoldeten Beamtenklasse anheimgestellt werden.
Damit der Volkswille sich die Bildung und Entwicklung politischer und socialer Vereine nöthig; wir erachten es für eine wesentliche Aufgabe unseres Blattes, ihnen als Organ zu dienen und ihren Interessen fördernd zur Seite zu stehen. Bildet Vereine zum Lesen und Reden, zum Turnen und Singen, für Landbau und Gewerbe„Klubs und öffentliche Zusammenkünfte und laßt durch unsere Zeitung auch Andern wissen was Ihr berathen und beschlossen.
Die religiöse Frage ist eine Zeitfrage für die ganze Welt. Wir wollen Glaubensfreiheit für Jeder— mann und ein unbeschränktes Recht Gemeinden. Wir werden kämpfen für Aenderung der Verhältnisse in der Landeskirche, daß statt der Beamten und Schreiberstuben die Gemeinden ihre Träger werden, daß diese ihre Vorstände selber wäh⸗ len, und zur Ordnung ihrer gemeinsamen Angelegen— heiten durch ihre Vertreter regelmäßig wiederkehrende Synoden bilden.
Allgemein ist die Ueberzeugung geworden, daß der gesellschaftliche Zustand einer Totalreform bedürfe. Die neueste französische Revolution ist weniger eine politische, als eine sociale. Unser Blatt soll ein Sprech⸗ saal werden um über die Organisation der Arbeit und das Verhältniß der Arbeit zu dem Capital, über die Ursachen der Verarmung und die Bedingungen zu allgemeinerem Wohlstand in umfassender Weise zu verhandeln. Wir fordern deßhalb dringend auf, uns von allen Seiten mit Material zu unterstützen, uns statistische Nachrichten aus allen Orten zu geben. Die Mittel, den jetzigen Zustand der Gesellschaft zu än⸗ dern, Besitz und Bildung Allen zu ermöglichen und
dem Denker wie dem Handwerker seinen vollen Lohn
welche
ge.
kund thun könne ist
zur Gründung freier
daß Jeder bereitwillig uns hier unterstützen werde. Wir wollen eine freie Organisation der Gemein⸗ den. Den Bürgern soll in allgemeinen Versamm⸗ lungen das Recht zustehen, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen; der Gemeinderath soll eine vollziehende Behörde, seine Sitzungen öffentlich sein.
Es ist unser Zweck dem gesammten Erziehungs⸗ wesen die Richtung zu geben, daß die Jugend zu freier Selbstthaͤtigkeit, zur Bewegung im öffentlichen Leben herangebildet werde. Wir verlangen Hebung der Volksschule, Verbesserung der pekuniären Stellung und Ausbildung der Volksschullehrer. Die Angelegen—⸗ heiten der höheren Realschulen und Gymnasien, sowie der Universitäten sollen von demselben freien Stand⸗ punkte aus besprochen werden.
Gegner der Bureaukratie und Beamtenherrschaft werden wir alle unsere Kräfte aufbieten zur Vernich⸗ tung dieses gefährlichsten Feindes der Volksfreiheit. Wir werden allen Angestellten einzuprägen suchen, daß ste vor Allem Diener des Volkes sind, und wer⸗ den fern von persönlicher Polemik dem seitherigen System stets mit scharfen Waffen entgegentreten. Wir werden unsere Stimme erheben für die Einrichtung einer allgemeinen Volksbewaffnung, damit nicht mehr das stehende Heer wie ein fressendes Ge⸗ schwür die besten Kräfte des Staats aufzehre, die Bürger aber nach innen und außen ihre Rechte zu vertheidigen, ihre Freiheit zu fördern muthig und mächtig seien.
Was wir wollen in Bezug auf unser deutsches Vaterland, geht schon aus dem Gesagten hervor. Wir wollen Alles, was Deutschland groß, fest und stark machen kann; Einheit der Gesetze und des Ge⸗ richtsverfahrens, Einheit der politischen und Handels⸗ interessen. Vor Allem streben wir nach einem deut⸗ schen Parlamente als Ersatz für den Bundestag, der seit seiner Entstehung nur der Herd der Reaction und der Ausgangspunkt jeglicher Unterdrückung war. Statt der Gesandten der Höfe wollen wir Männer des Volks in der Bundesstadt versammelt sehen— hervorgegangen aus der freien Wahl der gesammten
Bevölkerung. Unser Blatt ist zunächst dem Volke bestimmt. Die politischen Ereignisse wird es in Uebersichten be⸗ sprechen und namentlich auf die Vorgänge ein scharfes Auge kichten, die für die Entwicklung oder Umgestal⸗ tung unserer jetzigen Verhältnisse von Einfluß sind. Die e Regierungsmaßregeln, die Verhand⸗
lungen mmern wird es so bringen, daß Jeder dem Gange der Dinge vollständig folgen kann. Wir


