werden unsere Ansichten an die Begebenheiten an⸗ knüpfen, diese dem Volk zu deuten und so eine Fort⸗ bildung unserer Zustände anzubahnen bemüht sein; Männer von Fach werden über wichtige Erschei⸗ nungen auf dem Felde der Kunst und Wissenschaft, soweit sie das öffentliche Leben berühren, kurz und gründlich Bericht erstatten.
Wir erklären uns also für die Reform, für die Fortgestaltung unserer Zustände in friedlicher und ge⸗ setzlicher Weise auf der Grundlage die uns jetzt ge⸗ geben ist; wir werden wachen über die Durchführung der neuen Verheißungen, wir werden streiten für ihre Vervollständigung. Jeder der mit uns Eines Sinnes ist, wird uns als Theilnehmer willkommen sein.
An Bürger und Bauern zu Stadt und Land.
Die Ereignisse der letzten Tage sind so rasch auf einander gefolgt, daß es jetzt noch uns kaum möglich ist, ihre Bedeutung zu erfassen. Das Königthum, welches in Frankreich durch eine weitverzweigte Kette von Heuchelei und Betrug gestützt war, das ein ge⸗ waltiges Militär, eine zahllose Beamtenschaar zu seiner Verfügung hatte und stolz auf diese Hülfe der Stimme des Volkes kein Gehör verlieh, dieses König⸗ thum ist mit einem Schlage von der Hand des Volkes zertrümmert und vernichtet worden.
Bei diesem unerwarteten Ereignisse hat sich Jeder im deutschen Vaterlande an. die Zustände dieses un⸗ seres Vaterlandes erinnert. Jeder hat sich gefragt, ob auch bei uns Zustände vorliegen, welche einen ähnlichen Umsturz alles Bestehenden hervorbringen könnten und Jeder hat leider! erkennen müssen, daß das beste Volk der Erde auch dasjenige sei, was am meisten geknechtet, bevormundet, in seinen Rechten verkümmert werde.
Wo ist das große, einige Deutschland, das die Geschicke Europa's und der ganzen Welt regieren könnte? Der Deutsche wird nicht aufgerufen, wenn man die Völker zählt! Bis vor wenigen Stunden durfte er seine Farben nicht tragen ohne eingekerkert zu werden und noch thront in Frankfurt derselbe Bundestag, der Hunderte der edelsten Männer Jahre lang in finstern Gefängnissen schmachten ließ, weil sie
ewagt hatten, an die Einigkeit Deutschlands zu den— en und für dieselbe zu handeln.
Wo sind jene stehenden Heere, auf welche die Fürsten zählten, denen die Völker mißtrauten? Drei⸗ ßig Jahre lang hat man Millionen für dies Spiel⸗ zeug bezahlt und jetzt, wo es gelten könnte, in Waffen gerüstet da zu stehen, schickt man sie an den Rhein, um gegen die Freiheit die Gränze zu hüten, statt gegen die russischen Vorposten, die sich an den deut⸗ schen Landen zusammenziehen.
Unsere Zustände im Innern, sind sie gerecht? Sind sie erträglich? Hat man Euch bevor⸗ mundet bis in Eure kleinsten Handlunge on oben herab Eure Bedürfnisse Euch vorgeschrieben? Die
Klage über geistige und materielle Bedrückung drang nicht zu den Ohren derjenigen, die Hülfe bieten konn⸗ ten, weil sie vereinzelt war, weil Euch verboten wurde, zu reden, zu schreiben und zu drucken, weil Euch mit einem Worte die Selbständigkeit genommen war.
Durftet Ihr Euch versammeln, um über Eure Wünsche und Bedürfnisse Euch zu besprechen? Man trieb Euch mit Polizei, nöthigen Falls mit Gens⸗ darmen auseinander.
Durftet Ihr Euch durch Zeitungen und gedruckte Blätter mit Euren ferneren Nachbarn über Eure und ihre Bedürfnisse benehmen? Die Zeitungen konnten Eure Klagen nicht aufnehmen, denn der Censor strich Alles, was ihm ungehörig erschien. Ungehörig aber war jede Klage.
Nicht einmal der Kammer der Landstände, nicht einmal Eurem Fürsten durftet Ihr Euch mit gemein⸗ samen Petitionen nahen; eine Urkunde stellte sich zwischen das Volk, seine Abgeordneten und seinen Fürsten.
Die Freiheit des Denkens und Handelns war Euch benommen; überall bevormundete Euch ein Beamter, der befahl, wo er hätte bitten sollen.
Jetzt, wo ein Mann des Volkes an der Spitze des Ministeriums steht, wo ein Fürst beim Antritte der Regierung sich als Mann des Volkes gezeigt hat, jetzt ist es an der Zeit, zu zeigen, daß Ihr die Uebel⸗ stände erkennt und sie zu verbessern wünscht. Es ist an der Zeit, zu zeigen, daß Ihr über Eure Zustände nachgedacht habt, daß Ihr wißt, wo's fehlt und daß Ihr auch die Mittel angeben könnt, wie dem Uebel abzuhelfen sei.
Darum schaart Euch zusammen, in jedem Dorf, in jedem Städtchen. Versammelt Euch, aber mit Ordnung und Ruhe und besprecht Eure Angelegen⸗ heiten. Eines Mannes Nede ist keines Mannes Rede! Jeder Einzelne kann irren, aber das Volk in seiner Gesammtheit irrt nicht. Volkes Stimme ist Gottes Stimme! Haltet aber diese Versammlungen nicht so, daß sie einem polnischen Reichstage ähnlich sehen. Nehmt Euch ein Beispiel an England, Amerika, Frankreich, wo man das Versammlungsrecht seit langer Zeit übt. Die Männer finden sich dort zu⸗ sammen, wenn sie berathschlagen wollen, und sogleich wählen sie einen Präsidenten, der Ordnung in der Berathung hält, einen Sekretär, der die Feder zu führen versteht. Einer nach dem Andern spricht dann und wenn die Berathung vollendet ist, so bringt man das Besprochene zu Papier und stimmt nach Mehr- heit ab. Dadurch wird jeder Unordnung vorgebeugt und man kommt zu Etwas. Wenn Jeder dazwischen schreit, so gibt's Unordnung, Zänkerei und Zwistig⸗ keit; wenn aber Ruhe und Ordnung ist, so kann auch Jeder sich klar aussprechen und den Andern deutlich machen, wie er es meint.
Dann wendet Euch au die Presse. Schreibt selbst auf, was Euch fehlt, gebt genau alle Verhält- nisse an, deckt die Schäden auf, sagt wo Ihr unter⸗ drückt seid— die Zeitung wird es fetzt in alle Welt
hinausschreien und der Ruf der öffentlichen Meinung Gehör gebracht werden können.
auf diese Weise zum


