Ausgabe 
18.3.1848
 
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Wir dürfen jetzt sprechen und schreiben, aber die Wenigsten wissen, was und wie sie reden und schrei⸗ ben sollen; die Wenigsten nur sind schon jetzt der Ueberzeugung, daß durch die Versammlungen, durch die freien Zeitungen mehr bewirkt werde, als durch planlose Handlungen Einzelner. Viele von Euch scheinen sogar der Meinung, daß durch Wegjagen eines Bürgermeisters, durch Einwerfen einiger Fenster die Sache geändert, ihre Lage verbessert werden könnte.

Das ist wahrlich der Weg nicht, um weiter zu kommen. Wir wollen sein ein einig Volk von Brü⸗ dern, hat der Dichter gesagt und dies Wort muß in unserer Zeit befolgt werden. Darum keinerlei Leiden⸗ schaft gegen die Werkzeuge, die gehorsam ausführen mußten, was ihnen befohlen war. Die Feinde des Volks lauern nur auf die Gelegenheit, ihm die Frei⸗ heiten wieder zu entwinden, die es sich im Sturme errungen hat. Schon reist der Herr Graf von Münch⸗Bellinghausen, der österreichische Gesandte am Bundestage, nach Dresden, wo eine Conferenz von Ministern gehalten werden soll. Unsern Gagern werden sie dazu nicht einladen, denn man weiß ja, welche Seide auf solchen Conferenzen gesponnen wird.

Wir müssen uns selbst zuerst frei machen, wenn wir Andern die Freiheit bringen wollen. Die Rechte eines jeden Menschen zu achten, sei unser Aller Wahl⸗ spruch. Darum, ihr Bürger und Bauern, seid fest und männlich, aber auch ernst und eingedenk Eures Berufes in dieser Zeit. Erhebung des Volkes an allen Ecken und Enden, allein keinen solchen Krieg gegen Hausthüren, Fensterscheiben und Laternen, den man alsCrawall bezeichnet!

Gagern hat den Odenwäldern versprochen, ihre

Verhaltnisse zu den Standesherren zu regeln er

wird in unserer Provinz Oberhessen das Gleiche thun. Das Kind schlägt auf den Tisch, an welchem es sich stößt ist das Betragen derjenigen, welche sich an den Vollstreckern der Befehle rächen, die doch von Anderen gegeben sind, anders als kindisch zu nennen?

Wir haben eine große Klasse von Mitbürgern, die nicht der christlichen Lehre zugethan sind. Es ist wahr, daß an vielen Orten Hab' und Gut des Bauern in die Hände der schlaueren Juden gelangt sind; es ist wahr, daß der Wucher der Schacher⸗ juden schon manchen braven Mann ruinirt hat. Ist es aber nicht unsere eigene Schuld, daß es so ge⸗ kommen ist? Wer gab unsern Gesetzgebern das Recht, einen Menschen seines Glaubens wegen zu be⸗ drücken, ihm die gewöhnlichen Erwerbsquellen abzu⸗ schneiden und ihn so mit Gewalt zum Schacher hin zutreiben? Ihr wollt Gleichstellung aller Confessio⸗ nen; damit thut Ihr den ersten Schritt zu Eurer eigenen Befreiung vom Schacher. Der Jude wird Ackerbau und Gewerbe treiben wie Ihr, er wird Euch gleich stehen in Beschäftigung, sobald Ihr selbst dazu mitwirkt, daß er dieselbe betreiben könne.

Besprecht in Euren Versammlungen die Grün⸗ dung kleiner Leihbanken, die der Staat in jedem be⸗ deutenderen Dorfe, in jedem Städtchen anlegen sollte, wo Jeder ohne Pfand, nur gegen Bürgschaft zweier

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Begüterter und gegen billige Zinsen kleinere Summen Geldes sich entlehnen kann. Dringt auf Einrichtun⸗ gen dieser und ähnlicher Art und Ihr werdet Euch neue Hülfsquellen verschafft und Euch selbst die Reue über unvernünftige Handlungen erspart haben. Mitbürger! Seht hin auf das Beispiel, welches das Volk von Paris Euch gegeben hat. In dem blutigen Kampfe für seine Freiheit vergaß es der Ordnung nicht, die allein zum Ziele führt. Als der Sieg errungen war, bewachten dieselben Männer, welche eben noch ihr Leben eingesetzt hatten, mit hungrigem Magen die Schätze, welche dem ganzen Volke gehörten. Sie vergaßen der eigenen Leiden, um sich an Dasjenige zu erinnern, was sie ihrem Volke schuldig waren; sie schützten das Leben und das Eigenthum derselben Personen, gegen welche sie noch kurz vorher die Waffen geführt hatten. Der Sieg der Volkssache ist bei uns, Dank sei es unserem Fürsten, nicht durch Blut, sondern durch Ueberzeugung errungen worden; zeigen wir uns dieses Sieges eben so würdig, indem wir zwar fest, aber auch ohne Ge⸗ walt gegen Einzelne die Reformen durchführen, welche wir begonnen haben. C. Vogt.

Gießen, 16. März.

Die großen Ereignisse der letzten Wochen haben in unser gesellschaftliches Leben eine neue Bewegung gebracht. Man fühlt, das sind Dinge, die für Alle von der höchsten Bedeutung sind, und da wird es einem zu eng zwischen den vier Wänden, man muß hinaus, um das, was Alle angeht, mit Andern zu besprechen, und mit ihnen gemeinsam zu beschließen und in's Werk zu setzen, was die Zeit fordert, und was nur durch gemeinsames Handeln Erfolg haben kann. Diejenigen, welche früher die verschiedenen Berufswege auseinanderführten, führt jetzt die ge meinsame Angelegenheit zusammen. Leute, die nie ein Wort mit einander geredet, begegnen sich wie alte Bekannte, und um den Gegenstand der Unterhaltung ist Keiner verlegen. Besonders hat die Gründung von Bürgergarden die verschiedenen Stände, Oeko⸗ nomen, Kaufleute, Staatsdiener, Gewerbtreibende, Studirende, vortrefflich untereinander gemischt; und fühlt sich nicht jeder durch diese Berührung mit Krei⸗ sen, die ihm bisher fremd blieben, wunderbar erfrischt und belebt? Aber dies Alles ist nur ein Anfang, ein schöner Anfang, der aber eben deßwegennach Mehr schmeckt, sehr bedeutend nach Mehr! Unsere Begeg- nung darf nicht dem Zufall überlassen bleiben; auch das kameradschaftliche Zusammenseyn im Bürgergar dendienst genügt nicht. Es muß eine Einrichtung getrossen werden, wodurch uns Gelegenheit gegeben wird, Die, mit welchen uns die allgemeine Volksbe⸗ wegung bis jetzt nur hie und da, oder auf kurze Zeit zusammengeführt hat, öfter zu sehen, näher kennen zu lernen, um uns gründlich zu verständigen und gemein⸗ sam zu beschließen und zu handeln, wo mehr als je, der alte Spruch gilt:

* Jeder stark alleine,

e Stärker im Vereine.

e wee erg fg:ugrnn vir ætoftcht haben.