Wie wir hören, haben in diesem Sinne unsere Mitbürger in Mainz und Offenbach bereits Bürger⸗ klub gebildet. Auch hier sind die Anfänge zur Gründung eines solchen gemacht. Der Saal des Gast⸗ hauses zum Prinzen Karl ist vorläufig als Versamm⸗ lungslocal ausersehen, wo man wöchentlich einmal zu gemeinschaftlicher Besprechung dessen, was jetzt unsere gemeinsame Aufgabe ist, zusammen kommen will. Möge die Betheiligung daran recht allgemein seyn! Hier mag dann entweder im Zwiegespräche der Ge— werbtreibende von dem Studirten, der Studirte von dem Gewerbtreibenden lernen, oder es mag, wer et— was allgemein Interessantes vorzubringen hat, die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung für einen kurzen Vortrag in Anspruch nehmen; der allzu Be⸗ dächtige mag von dem Rascheren sich anfeuern, der allzu Hastige von dem Besonneneren sich zügeln lassen, damit so im lebendigsten Zusammenwirken verschiedener Kräfte und Naturen weder übertriebene Aengstlichkeit, noch das Ungestüm ausschreitender Bestrebungen etwas verderbe, sondern das Eine was Noth thut von Allen um so kräftiger und ebenso begeistert als be— sonnen, gefördert werde. Das geschriebene Wort kann viel wirken, und auch„die freie Hessische Zeitung“ wird zur Förderung des Gemeinwohls das Ihrige nach Kräften beitragen; aber die Schrift wirkt erst dann recht, wenn in obiger Weise die freie Be—⸗ sprechung als ihre nothwendige Ergänzung ihr zur Seite steht. Und so wünschen wir, daß unser Gießer Bürgerklub auch in seinem Kreise den Segen der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit recht bald und gründ— lich erfahre, und seinerseits das Kraftwort unseres alten Meisters Martin Luther bewähre:„Nach dem geschriebenen Worte fragt der Teufel nichts, wo man's aber redet und predigt, da fleucht er“.
Trefurts Antrag auf eine außerordentliche Einkommensteuer.
Große Zeiten verlangen auch einen großen Sinn der Menschen; die Freiheit kann ihr Reich nur auf die Tugend gründen, welche einen Jeden lehrt sich selbst das Gesetz zu geben und das Seine nur im Ganzen, nur in Gemeinsamkeit mit allen Andern zu
suchen.
Darum ist der Vorschlag Trefurts ein Zeichen, das dem Volk gegeben wird, und die Sache muß geschehen, wenn auch in anderer Weise. Tre— furt schlug in der Badischen Kammer vor, es solle eine Erbschaftssteuer eingeführt und von allem Ein⸗ kommen von 500 fl. an bei Ledigen und von 1000 fl.
bei Verheiratheten mit /½% und über 2000 fl. mit 7
des Einkommens erhoben werden; das Geld solle zur Unterstützung von Handwerkern und Ackerleuten mittelst unverzinslicher Darlehen, zur Errichtung von Anstal⸗ ten, zur Beschäftigung und Ernährung der Armen, zur Erleichterung der Auswandrung verwendet werden.
Es würde damit der Anfang gemacht daß der Staat auch bei uns die Hebung der zahlreichsten und gedrück⸗ testen Volksklasse praktisch anfaßte und die sociale Frage ergriffe, und gerne wird der Reiche einen kleinen Theil seiner Einnahme hingeben, wenn er dadurch der Furcht vor dem Verlust des ganzen Vermögens überhoben ist und statt vereinzelter Wohlthaten nun im Zusammenwirken mit Allen seine armen Mit⸗ menschen in eine bessere Lage bringen kann. Natür⸗ lich müssen über die Anwendung der Summe sowohl die Beisteuernden als die Arbeiter ein Wort mitzu⸗ sprechen haben.
Jaup, der Schöpfer unsrer Gemeindeordnung, 1838 durch die Metternich'sche Politik aus dem hes— sischen Staatsrathe verdrängt, ist jetzt dessen Präst⸗ dent geworden. Wenn er auch meint das ihm ange⸗ tragene Justizministerium in dieser bewegten Zeit einem jüngern Manne überlassen zu müssen, so wird er doch bei der Neugestaltung unsres Gerichtswesens Rath und That dem Vaterlande nicht versagen, zu— mal er über die Einführung der Geschwornen bereits auf der vorjährigen Germanistenversammlung Bericht— erstatter war und sich für dieselbe entschied.
Lesefrüchte.
Glücklich ist das Volk, das, seine Pflichten ken— nend, die Macht ehrt, die über ihm herrscht; glück⸗ licher aber der Fürst, der die öffentliche Freiheit achtet.
Voltaire.
Von diesem Blatt erscheinen von heute an wöchentlich drei Nummern(Dienstags, Donnerstags und Samstags); der Preis für das Vierteljahr ist 1 fl., wozu für Aus⸗
wärtige noch der Postaufschlag kommt.
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