papiere sind im Steigen. Am Metternichschen Palais wurde ein Galgen errichtet, und der Exminister in elligie aufge— knüpft. Die Polizei legte kein Hinderniß entgegen. Wo Metternich hingekommen, darüber ist noch nichts Sicheres bekannt, wahrscheinlich ist, daß er sich nach dem Rhein ge— wendet.
Ungarn hat ein verantwortliches Ministerium erhalten. Graf Louis Bathiany ist zum ersten und der Pesther De— putirte Kossuth zum zweiten Minister ernannt.
Einem Privatbriefe aus Darmstadt vom 20. entnehmen wir die Nachricht, daß sich dort eine starke Unzufriedenheit unter den Unteroffizieren und Gemeinen Kund giebt. Einer von den ersteren wurde gestern wegen Aeußerungen einge— steckt, die Soldaten liefen in die Wirthshäuser und binnen einer halben Stunde war das zweite Regiment in der Ca- serne rebellisch und wurde von mehreren Tausenden aus dem Volke unterstützt. Hauptmann Frank und Pabst, welche commandiren wollten, wurden, nachdem sie den Degen ge— zogen und dieser zerbrochen, auf die Erde geworfen und alle Fenster im unteren Stock eingeworfen. General von Stosch, welcher durch eine Rede das Volk besänftigen wollte, bekam dicht am Kopf vorbei einen dicken Stein geworfen, welcher das ganze Fenster mitnahm. Erst nachdem der Gefangene frei gegeben, wurde das Volk ruhig. Advokat Hofmann, welcher die Republik gepredigt, hat im Arresthaus gesessen, ist aber heute losgelassen worden.
Politische Amnestie.
In Baden und Nassau sind Deerete veröffentlicht wor— den, die Amnestie für politische Vergehen aussprechen, und so eben kommt uns die erfreuliche Nachricht zu, daß auch unser geliebter Erbgroßherzog den Antritt seiner Regierung durch einen gleichen Aet der Gerechtig— keit bezeichnet hat. Durch denselben sind auch alle weiteren Strafzahlungen aufgehoben. Das Deeret sagt in— dessen nichts von einer großen Zahl Männer, die unter dem vorigen nichtswürdigen Regiment blos von der Instanz absolvirt wurden;: sind auch diese wieder in ihre vollkom— menen Staatsbürgerrechte eingesetzt, oder wird dieß nur durch ein von den Ständen ausgehendes Gesetz geschehen?
Welker und Bassermann gehen als Gesandte Badens an den deutschen Bund: von Würtemberg wird Ludwig Uhland geschickt: wir hoffen, daß von Kurhessen Sylvester Jordan oder Bruno Hildebrand erschei— nen: wir Hessen könnten keinen bessern Vertreter haben, als Heinrich Gagern, den wir mit Stolz den unsrigen nennen.
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Marburg, 19. März.— Hier sieht es ganz kriegerisch aus, man hält sich für alle Fälle gerüstet und läßt es an Vorübungen nicht fehlen. Die Bürgergarde, vollkommen uniformirt und gut bewaffnet, zieht 50 Mann hoch mit Musik auf die Rathhauswache, welche Tag und Nacht be— setzt ist. Da oben herrscht ein rechtes Wachtstubenleben; zuletzt war eine Abtheilung Studenten an der Reihe, welche mit großen Säbeln bewaffnet und nach der Art von Ca— valleristen gekleidet sind. Die Mehrzahl der Studenten ist als Infanterie organisirt, an ihrer Spitze steht Stud. Wachs. Außerdem giebt es noch eine Abtheilung Turner, in leinenem Gewand, mit Büchsen bewaffnet; zuletzt noch die Reserve— garde, aus älteren Bürgern bestehend. Im Ganzen sind es etwa 1200 Mann. Auch auf dem Lande sind bereits Bürgergarden eingerichtet, in Roßdorf, Mardorf, Holz— hausen, Schweinsberg, so daß für die Ruhe dieser Gegend nichts zu fürchten ist. Es war hier freilich weiter nichts nöthig, als die früher bereits bestandene Einrichtung wieder ins Leben zu rufen. Die Bauern sind nämlich bis vor etwa 6 Jahren noch als Bürgergarde organisirt gewesen, allmählich ist die Sache aber eingeschlafen. Sie sind mit Spießen bewaffnet, statt der Uniform tragen sie blaue Kittel mit rother Verzierung am Kragen. Jeder Bauer zwischen 20 und 60 Jahren muß sich an diesem Dienst betheiligen.— Will man verhüten, daß die Sache aber— mals einschlafe, so ist es vor Allem nöthig, zeitweise(und nicht zu selten) sich zu großen Exercitien zu vereinigen.
Gestern Abend ist die Gründung eines Sprech- und Leseklubs beschlossen worden; Listen zur Unterzeichnung liegen bei J. Ricker, E. L. Ferber, Lotz und Kunz offen; nähere Bestimmungen werden Freitag Abends um 8 Uhr im Prinzen Karl stattfinden. Gießen, 21. März.
Sämmtliche Bürgergardisten werden ersucht, sich mit weiß⸗rothen Armbinden zu versehen und dieselben nach den Modellen, welche auf dem Rathhause sich befinden, einzu⸗ richten. In dem Falle eines allgemeinen Ausrückens, sowie überhaupt im Dienste wird die Armbinde angelegt.
Die Rottenführer tragen auf der Armbinde eine eben— falls weiß⸗rothe Rosette; die Lieutenants eine Schärpe um den Leib und eine einfache Armbinde; die Hauptleute nur eine Schärpe. Es ist zu wünschen, daß diese Dienstzeichen baldmöglichst hergestellt werden. Der Oberst C. Vogt.
Verantwortlicher Redacteur: E. Dieffenbach, unter Mitwirk. von M. Carriere u. C. Vogt.
Von diesem Blatt erscheinen von heute au wöchentlich drei Nummern(Dienstags, Donnerstags und Samstags); der Preis für das Vierteljahr ist 1 fl., wozu für Auswärtige noch der Postaufschlag kommt. Auswärtige abonniren bei den zunächst gelegenen Postämtern, die Bewohner unserer Stadt und Umgegend bei der Unterzeichneten. Juserate aller Art werden in der unterzeichneten Buch⸗
handlung und in der Buchdruckerei von W. Keller angenommen und mit 3 kr.
Petitzeile berechnet.
für die gespaltene J. Ricker'sche Buchhandlung.
Verlag der J. Ricker'schen Buchhandlung.— Druck von W. Keller.


