935
Bauern erklären, ihre Besitzungen ohne alles Weitere verlassen zu müssen und viele Andere sind entschlossen, solchen namenlosen Qualen durch Auswandern nach Amerika zu entgehen. So groß aber auch das Ent⸗ setzen ist, so wenig bringt es die beabsichtigte Wirkung hervor und Niemand läßt sich einreden, daß die Be⸗ hörden und Landstände die Schuld an diesen Zuständen
tragen.—
Hanau, 26. Nov. Es ward heute amtlich ver⸗ kündet, daß der Kurfürst aus den von der Ständever⸗ sammlung vorgeschlagenen 5 Mitgliedern derselben den Obergerichtsanwalt Schwarzenberg, den Oberpostmeister Nebelthau und den Staatsrath Wippermann zu Mit⸗ gliedern des landständischen Ausschusses bei der Ver⸗ waltung des Hausschatzes und Staatsschatzes bestimmt habe.— Obergerichtspräsident v. Warnsdorf zu Fulda ist in den Ruhestand versetzt und Obergerichtsrath Abée zum Direktor des Obergerichts zu Fulda ernannt. — Den Obergerichtsräthen v. Bischoffshausen, v. Carls⸗ hausen, Hünersdorf und v. Maibom zu Hanau, sowie den Obergerichtsräthen Deiners, Pfeiffer und Platner zu Fulda hat der Kurfürst den erbetenen Abschied be⸗ willigt. f
Aus Baden, 22. Nov. Der bekannte bei dem Aufstande in Baden vom Jahre 1849 betheiligte Adal⸗ bert v. Bornstedt, welcher sich noch in der badischen Irrenanstalt Illenau befindet, ist aus seiner früheren aufgeregten Gemüthsstimmung gegenwärtig in völlige Schwäche und Lähmung und in eine Geistesverwirrt⸗ heit verfallen, die unheilbar scheint. Es ist daher dem Vernehmen nach dessen Uebernahme in eine Irrenan⸗ stalt seines Geburtslandes Preußen Seitens der ba⸗ dischen Regierung beantragt worden.
Rastatt, 24. Nov. Gestern in der Frühe ist das Füsilier⸗Bataillon des 24. Regiments von hier abmar⸗ schirt, und hat damit den Anfang des Rückmarsches der preußischen Truppen aus hiesiger Festung gemacht. Heute Nachmittag sind sodann die Artillerie und die Pioniercompagnie gefolgt.
Speier, 22. Nov. Der Redacteur der Speierer Zeitung, G. F. Kolb, hat sich heute im Bezirksgefäng⸗ nisse zu Frankenthal eingefunden, um die in Folge des vielbesprochenen Preßprozesses über ihn verhängte ein⸗ monatliche Gefängnißstrafe zu erstehen. Für die Dauer der desfallsigen Verhinderung wird Fr. Stiner die Redactionsgeschäfte besorgen.
Aus Thüringen, 24. Nov. Im Rudolstädtischen ist bereits die Furcht vor den näherrückenden Bundes⸗ truppen so groß, daß die Landleute anfangen, ihre ganzen Habseligkeiten zu vergraben, und überhaupt alle Anstalten zur Flucht treffen
Dresden, 22. Nov. Viel Aufsehen macht die gestern früh erfolgte Verhaftung des hiesigen Baumei⸗ sters Strasser, für den die öffentliche Stimme sich bei Gelegenheit des Teutscher'schen Straßenexcesses so leb⸗ haft ausgesprochen hatte. Die Verhaftung ist auf Requisition des Stolpener Justizamts erfolgt, weil angeblich die Verdachtsgründe gegen Strasser vorliegen sollen, daß er bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in Stolpen am 16. Novbr. eine beabsichtigte Flucht des
zum Tode verurtheilten Bürgermeisters Meier habe begünstigen wollen.
Berlin. Nach einer Correspondenz der„O.⸗P.⸗ A.⸗Z.“ verlangt Oesterreich nun auch die Räumung der Etappenstraßen in Kurhessen; will aber Preußen garantiren, daß es diese wieder erhalte. Schöne Ga⸗ rantien! Preußen wird aber nachgeben; oder sollte es sich nun wirklich aufraffen? Bei der bekannten feigen Politik unseres Ministeriums erwarten wir dieses nicht. Nach einem allgemein verbreiteten Gerücht soll der österreichische Gesandte v. Prokesch seine Pässe für den Fall, daß die preußische Regierung nicht dem Willen Oesterreichs(Rußlands) nachkomme, gefordert haben.
Berlin, 24. Nov. In Betreff der Flucht Kinkel's soll sich nunmehr herausgestellt haben, daß dieselbe
unter Beihülfe zweier Gefängnißbeamten bewerkstelligt
und keineswegs durch ein Fenster geschehen ist. Kinkel wurde von jenen beiden Personen über den Hof ge⸗ führt und verließ durch den gewohnten Eingang das Zuchthaus; er blieb einen Tag in Spandau, ging in der Nacht nach Potsdam, wo er sich gleichfalls einen Tag aufhielt. Von dort aus reiste er über hannöverisch Münden nach Bremen und schiffte sich nach London ein.
Bremen. Auch in Bremen ist ein Comite zu⸗ sammengetreten, welches zur Unterstützung der ihrer Verfassungstreue wegen entlassenen kurhessischen Of⸗ ficiere auffordert. 6
* Wien. Nach Briefen, die hier angekommen sind, scheint es nicht, als ob das Gerücht von der Vergiftung des Sultans Abdul⸗Meschid sich bestätige. Sollte es aber doch gegründet sein, so dürften die Folgen, die daraus für das türkische Reich entspringen, wohl nicht zu berechnen sein. Wenn man neben den Wirren in Europa bedenkt, daß Bosnien, eine mächtige Provinz dieses morschen Reiches, im Aufstand begriffen, eine andere, Bulgarien in höchst bedenklicher Stimmung sich befindet, und Aegypten fast unabhängig ist, so wird man vielleicht in unseren Tagen den schon lange pro⸗ phezeiten Fall der hohen Pforte erleben.
Wien, 22. Nov. Sicheren Nachrichten zufolge ist in Siebenbürgen unter den Romanen im Banate und selbst unter den Serben große Gährung zu be⸗ merken, die um so bedenklicher scheint, als das meiste Militär von dort weggezogen worden ist, um nach den westlichen Grenzen zu marschiren. Dabei zeigt es sich auch, wie wenig dem Waffenablieferungsgebote Folge geleistet worden ist. Es kommen jetzt überall, an allen Orten und Enden Bewaffnete zum Vorschein, und in den nördlichen gebirgigen Gegenden treiben sich bei 3000 Honveds herum, welche bei dem Landvolke überall Gastfreundschaft finden und denen in den unwegsamen Gebirgen nicht beizukommen ist. ö
Paris, 24. Nov. Wir können mit Bestimmtheit verbürgen, daß Kinkel nicht in Paris gewesen ist. Das Mißverständniß, worauf die frühere Angabe von seiner Ankunft sich begründet, hat folgende Ursache: Das Schiff, auf welchem Kinkel mit einigen Freunden sich befand, legte bei Jersey an. Einer seiner Freunde begab sich von da nach Paris.— Ein Banket wurde veranstaltet. Kinkel ist jetzt auf dem Wege nach New⸗
1 D 7———————½———-——————— 6——— 2 8


