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Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
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und unmittelbar neben einander geſtellt, nicht ohne Intereſſe ſein.)

In den meiſten Fällen entſtehen die deutſchen Städte des Mittelalters aus Märkten, die an beſonders für den Verkehr geeigneten Plätzen im Frieden des Königs unter dem Schutze einer königlichen oder kirchlichen Niederlaſſung abgehalten werden. Die Kaufleute, welche an ſolchen Orten ihre Waare auslegen, bald auch dort anſäſſig werden, genießen beſonderer königlicher Privi⸗ legien, welche ſie unmittelbar unter den Schutz des Königsbanns ſtellen und ſie ausnehmen von den allge⸗ meinen Volksgerichten. Daher werden ſie in den zahl reichen Urkunden allgemein alsLeute des Kaiſers

homines imperatoris bezeichnet. Im zehnten Jahrhundert werden dieſe urſprünglich perſönlichen Privilegien an die geſammte Kaufmannſchaft der könig⸗ lichen und bald aller größern Städte im Reich ver⸗ liehen; nur ein Schritt führt von da zur Uebertragung des Rechts auf die ganze Stadt. So iſt der Urſprung der Städte als politiſch geſchloſſener Körperſchaften in erſter Linie zurückzuführen auf kaufmänniſche und ge werbliche Grundlagen, ihr Recht iſt ein kaufmänniſches, welches nach den verſchiedenen Verhältniſſen verſchieden, aber immer nach demſelben Zielpunkte ſich entwickelte, ein geſchloſſenes Gemeinweſen zu begründen, ſtark genug, nicht nur dem Andrängen der partikularen Gewalten, ſondern ſelbſt den zeitweiligen feindſeligen Maßregeln des Oberherrn des Reiches ſtand zu halten.

Wenn ich im Beginn der vorſtehenden Schilde rung das an dem Bahnhofe zu Wetzlar neuentſtandene Induſtrieviertel im Gegenſatz zur Altſtadt geſtellt habe,

*) Die nachſtehende, freilich auf das Notwendigſte be⸗ ſchränkte Entwicklung ſchließt ſich, ſoweit ſie den Urſprung der Städte im allgemeinen zum Gegenſtande hat, au die Aus⸗ führungen meines hochverehrten Lehrers, des Herrn Proofeſſors Dr. K. Höhlbaum in Gießen, au, deſſen Auſichten über die Entſtehung der Städte im Mittelalter ich auch bei unſerer Stadt als zutreffend nachzuweiſen geſucht habe.