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Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
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Introite, et hic dii sunt.

Der Reiſende, welcher auf dem Bahnhofe Wetzlar den Zug verläßt, erhält keineswegs den Eindruck, daß er in eine alte Reichsſtadt einziehen will. Er empfindet vielmehr den kräftigen Pulsſchlag des modernen Lebens; rings um die Schienenſtränge gelagert, welche zahl⸗ reich hier zuſammenlaufen, ſenden hohe Schornſteine ihre Rauchwolken in die Luft, mächtige Feuergarben ſchlagen aus den gewaltigen Hochöfen, und Schlacken berge ſcheinen das weite Thal, welches es von Gießen her durchfahren hat, zu verbauen, Zeugniß dafür ab⸗ legend, daß hier das Ergebnis des heimiſchen Berg baus dem Dienſt der Menſchen nutzbar gemacht wird.

In der That befindet er ſich noch gar nicht auf ſtädtiſchem Grund und Boden; der Bahnhof ſowie der größte Theil der induſtriellen Anlagen liegen auf dem Gebiet des Dorfes Niedergirmes. Die Stadt ſelbſt birgt ſich noch hinter dem Lahnberge, welcher ſchroff von Südoſten gegen den Fluß vorſpringt und vorerſt nur einen Blick auf den Dom und die alte Burg⸗ ruine geſtattet. Erſt wenn man nach etwa fünf Minuten im Schatten einer ſtattlichen Allee auf gutem Cement⸗ pflaſter der Kreisſtraße folgend, den Schiffahrtskanal überſchritten hat, welcher die bei der Stadt liegenden Wehre umgeht und wenig weiter abwärts eine Schleuſe bildet, gelangt man auf Wetzlarer Gebiet. Hier teilen ſich die Wege. Die Hauptſtraße führt geradeaus auf die rechts von der Lahn gelegenen Vorſtädte zu. Wer ihr folgt, hat unmittelbar, nachdem er ein in der Gabelung der Straßen ſtehendes Gaſthaus zur linken Hand hat liegen laſſen, ein prächtiges, wohl ab