Häuſern vorgenommenen Umbauten den Eindruck der dem Mittelalter entſtammenden Stadt, und wer ſpät abends bei Vollmondſchein des Weges kommend, von der Ecke der Lahngaſſe ſeine Blicke ſchweifen läßt über den plätſchernden alten Brunnen in der Mitte, über die altertümlich ſpitzgiebligen Häuſer, deren Oberſtock zum Teil noch über die Grundmauern hinausragt, in greller Beleuchtung, während die dunkeln Schatten die einmündenden Gaſſen mit ihren Häuſerreihen mehr ahnen als erkennen laſſen, wird ſich unwillkürlich um Jahrhunderte zurückverſetzt glauben und geſtehen müſſen, daß dieſes alte Städtebild ſich ohne Scheu den viel— gerühmten von Nürnberg und Augsburg an die Seite ſtellen darf.
Die Hauptſtraße, welche vom Hauſerthor her die Stadt unter verſchiedenen Namen, der Hauſer-, der Weißadler-, der Krämergaſſe in der Richtung des Lahnfluſſes durchzieht, ſetzt ſich von hier unter dem ſchon erwähnten Namen der Sillhöferſtraße fortund führt, von beiden Seiten verſchiedene Gaſſen in ſich aufneh⸗ mend, zu dem vierten ſtädtiſchen Platze, der ſeit dem hundertjährigen Geburtstage Schillers nach dieſem ſei⸗ nen Namen trägt. Der dreieckige Raum iſt mit Ka⸗ ſtanien umpflanzt, doch hat die oft erneute Schillereiche in der Mitte nicht gedeihen wollen, gleichſam als hätte die Stadt an den Erinnerungsmalen eines großen Dichters genug. Den Platz ſchließt im Süden das Kirchengebäude eines ehemaligen Franziskanerkloſters, jetzt im Chor für den evangeliſchen Gottesdienſt ein— gerichtet; das geräumigere Schiff wird zu Stadtſchul⸗ zwecken verwandt, nachdem es nach Aufhebung der Ordensniederlaſſung manche der ehemaligen Beſtimmung
wenig entſprechende Wandlungen hat durchmachen müſſen.
Deſto ſinnvoller iſt die Verwendung der hinter der Kirche liegenden Kloſterräume zum Gefängniſſe des hieſigen Amtsgerichts, und wenn jemand gefänglich ein— gezogen wird, ſo hat dafür der Wetzlarer kaum eine andere Bezeichnung als die: Er iſt ins Kloſter gekom—


