Dombaus würde wahrſcheinlich identiſch ſein mit der rſehit e der Landſchaft, dere gottesdienſtlichen Mit⸗
telpunkt die Kirche bildete. Wenn freilich das Volk in dem romaniſchen Baſaltbau mit den ihm fremd ge⸗ wordenen Ornamenten, dem eigenartigen Adlerkapitell an der Mittelſäule des Portals und den ſchlangenarti⸗ gen Voluten unter dem innern Rundbogen ein Denk— mal aus der Heidenzeit ſehen will und den noch erhal— tenen nördlichen Turm den Heidenturm nennt, ſo ſchießt es damit über das Ziel hinaus. Doch mag ſich immer auch hierin die unverwüſtliche Kraft des Volksgedächt— niſſes offenbaren; denn es iſt nicht unwahrſcheinlich, daß die chriſtlichen Glaubensboten, welche d Spuren Winfrieds folgend in dieſe Thäler Kultur und Geſit tung trugen, das Wahrzeichen iiſres Gottes auf alt— heidniſcher Opferſtätte errichteten. Die Anlage in ihrer jetzigen Geſtalt dürfte nicht über die Mitte des zwolſ⸗ ten Jahrhunder ts zurückreichen; ſie entſtand, wie Leh— feldt“) in überzeugender Weiſe durch die genaue Prüfung der Zuſammengeh örigkeit der eieſnen Ornamentteile am Portal und am Turmgeſimms nachgewieſen hat, durch eine Combination älterer, der Blütezeit der romaniſchen Kunſt angehörender Stücke, die einem be⸗ reits vorhandenen Bau entnommen wurden.
Während auf der Scheide zwiſchen dem Chor und dem ſüdlichen Kreuzhauſe eine ſeltſame Vermiſchung des romaniſchen und gothiſchen Stils bemerkbar wird, gehört der Chor ſelbſt nebſt Teilen des Kreuzhauſes und des ſüdlichen L Lindeſchiffes den früheſten Ausfüh⸗ rungen der Gothik in Deutſchland an, in denen der franzöſiſche Einfluß nalt zu verkennen iſt. Von Wetzlar aus fand höchſt wahrſcheinlich eine Uebertragung der Jormen auf die berühmte Eliſabethenkirche in Adrfdur ſtatt, nicht umgekehrt, wie das reicher und ſorgfältiger tntwickelte Maßwerk in den Fenſtern jener Kirche ſchließen läßt. Ein regerer Verkehr zwiſchen deiden
*) Bau⸗ und Kunſtdenkmäler, S. 743 f.


