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Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
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ſtickt woraus man leicht folgen kann, daß unſere Männer nicht gerade zu den liebenswürdigſten gehören. Unſere Weiber ſind größtentheils Kleinſtädterinnen, denen der Kaiſer durch das Adeln ihrer Männer nicht auch ihren kleinen, kreiſchenden kleinlichen, förmlichen Ton genommen hat. Vergebens ſucht man bei uns höfliche, unterhaltende Menſchen voll Aufmerkſamkeit ſondern man findet ſie entweder in einer Ecke über ihre Rechts⸗ händel ſprechend, oder die Karten in der Hand, und ſie nehmen die Artigkeit, welche man ihnen erzeugt, entweder mit einer unpaſſenden Rauheit, oder mit lächerlicher Verwirrung auf, oder finden keine Worte, um ſie zu erwidern. Kurz, Wetzlar hat die Mängel der kleinern Städte

Wir werden dieſe ſcharfen Worte dem zwanzig jährigen Jünglinge nicht übel nehmen, denn was er verurteilte, war etwas Fremdes, welches abge ſtoßen wurde, als ſeine Zeit gekommen war. Wer aber das Bild, das er von Wetzlar entwirft, ver⸗ gleicht mit unſerer heutigen Entwicklung, die nicht zum wenigſten unter dem Anhauche ſeines Geiſtes geworden iſt, der wird nicht umhin können, dem alten Grobian wenn nicht auf öffentlichem Platze, ſo doch in ſeinem Herzen ein Denkmal zu ſetzen mit der Inſchrift: Des Guten Grundſtein, des Böſen Eckſtein, des Deutſchen Edelſtein.

Druck von. Imgardt, Wetzlar.

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