Roſenbeete, znſchon denen die Büſte des jugendlichen Ghe aufgeſtellt iſt, ſchließen ihn im Weſten gegen
8 as Alltagsleben der Straße ab, während in der Front d ſeinen Füßen das Markttreiben wie ſchon vor einem halben Jahrtauſend ſich tummelt. Geteilte Empfin⸗ dungen ſind es, die den Beſchauer beim Anblick dieſer halbfertigen Steinmaſſe bewegen müſſen, Bewunderung für den hohen Sinn unſerer Vorfahren, der einen ſolchen Plan zu faſſen vermochte und einem idealen Bwock Mittel zur Verfügung ſtellte, welche dem leben— den Geſchlecht unerſchwinglich erſcheinen müſſen, Stau⸗ nen über die ſtolze Kraft des deutſchen Bürgertums im Mittelalter, welches in ſich das Vermögen empfand, ein ſolches Unternehmen zur Ehre Gottes und ſeiner eigenen zur Vollendung zu führen; Wehmut aber, daß auf die Dauer dii Kraft verſagte, und einem ſpätern, ſchwächeren Geſchlechte nur vergönnt blieb, die Beweiſe einer großen Zeit, die im Entſtehen ſchon Ruinen wur⸗ den, unter ſchlechtem Dach in die Gegenwart hinüber zu retten. Viele Geſchlechter haben dieſem ruauis längſt verſchwundener Jahrhunderte verſtändnislos ge⸗ genüber geſtanden, und erſt ſeitdem das deutſche Bür⸗ gertum ſich ſelber wiedergefunden, mag es auch die Fähigkeit gewinnen, die ſtumme und doch ſo beredte Sprache der Zeugen ſeiner eigenen großen Vergangen⸗ heit zu verſtehen. Vielleicht ſchöpft daraus auch das Wellarei Bürgertum einmat die Kraft, dem hohen
Denkmal der einſtigen Bedeutung ſeiner Vaterſtadt eine würdigere Ausſtattung zu verierhene als ihm bis jetzt zu teil geworden iſt.
Hat der Wetzlarer Dom dieſen trümmerhaften Zuſtand mit manchem alten Bauwerke des deutſchen Vaterlandes gemein, ſo ſteht er doch einzig da durch die Mannigfaltigkeit und Verſchiedenheit der Bauſtile, die in den einzelnen Teilen zu Tage treten. Eine Jahrhunderte lange Entwicklung vom romaniſchen Stil bis zur ſpäten Gothik in den mannigfachſten Abſtufun— gen iſt an ihm zu verfolgen, und eine Geſchichte des


