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der Einmündung der Schmidgaſſe in den Kornmarkt neben der Imgardt'ſchen Buchhandlung Stufen hinunter⸗ führen, während der Fahrweg ſich um einen Brunnen henanevindene ſo bemerken wir an dem vierten Hauſe zur Linken eine einfache Marmortafel, welche uns an— zeigt, daß hier einſt Göthe ſeine Behauſung hatte. Unſcheinbar und niedrig, doch den damaligen Ver⸗ hältniſſen durchaus entſprechend, war dieſelbe für ihn bequem und wohlgelegen. Von hier aus hatte er wenige Schritte zu ſeinem Freunde Keſtner, zu ſeinem Mittagstiſch im Kronprinzen, zu dem Sitzungshauſe am Buttermarkt und wohin es üh wohl öfter ziehen mochte, als an den Ort ſeiner weniſ ichen Thätigkeit, zum Deutſchen Hauſe. Sie bildete alſo auch örtlich den Mittelpunkt ſeines Wetzlarer Intereſſenkreiſes.
Weiter abwärts vereinigt ſich die Gewandsgaſſe auf dem Liebfrauenberg mit der Schuhgaſſe, und beide münden mit jähem Abfall auf den Eiſenmarkt. Trotz ſeiner geringen Größe und der dem Verkehr wenig günſtige Bodengeſtalt bildet dieſer dritte Platz den eigentlichen Mittelpunkt Wetzlars. Hier ſtehen die Häuſer am engſten gepackt, laufen die Gaſſen am zahlreichſten zuſammen, und ſchon die Namen derſelben, die Schuh⸗ und Gewandsgaſſe, der Brodſchirm, wo vor alters die Bäcker und Metzger ihre Ware feil boten*), die Krämergaſſe und etwas weiter entfernt die Beutel- und Pfannenſtielsgaſſent) zeigen uns an, daß hier das eigentliche Kaufmanns⸗- und Handwerkerviertel lag, welches zwiſchen die kirchliche und königliche Nieder— laſſung unwiederſtehlich hineinſchob. Hier empfängt der Beſchauer am unmittelbarſten trotz aller an den
*) Schirm iſt ein Schutzdach, unter dem die Waare feil geboten wird, ähnlich den Zeltdächern auf dem Jahrmarkt. S. Lexer, Mittelhochd. Lexikon. Daß auf dem Brodſchirm gleich⸗ zeitig ein Fleiſchſchirm war, weiſt die Urkunde bei Ulmenſtein B. III. Urkundenbuch S. 224 nach.
**½) Beutelgaſſe— Gaſſe des Beutels. Die Pfannenſtiel⸗
gaſſe hieß früher Pfannenſchmiedgaſſe.


