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ſo iſt doch die Entſtehung beider genau aus demſelben Geſichtspunkte zu betrachten. Laufen jetzt die Schie— nenſtränge von Köln und Weſtfalen, von Koblenz, Frank⸗ furt, Kaſſel zuſammen, um den Fabriken und Werken ihre Rohſtoffe und Materialien zuzuführen und ihre Erzeugniſſe auf den Markt zu werfen, ſo ſind dieſelben Kräfte und Bewegungen auch für die Gründung der alten Stadt maßgebend geweſen. Die Lage des Platzes
am Weſtende einer weiten Flußniederung des mittle— ren Lahnlaufes, am Eingange der Thalrinne, welche ſich der Fluß zwiſchen Taunus und Weſterwald hin— durch gegraben hat, um nahe der Moſelmündung in den Rhein zu fallen, die von der Natur gebildete Straße an der Dill aufwärts über die Waſſerſcheide zur Sieg, wo ſich die Wege zur alten Handelsmetropole des nord— weſtlichen Deutſchlands, Köln, und nördlich zu den früh erblühten Weſtfäliſchen Städten öffneten, die leichte Verbindung in die Wetterau), die den Verkehr nach Frankfurt und den Main aufwärts zwanglos vermittelte, während der Oberlauf der Lahn in das Weſerthal und nach dem Oſten hinüberwies, beherrſchte in viel höherm Maße als jetzt eine der wichtigſten Nebenſtraßen des großen deutſchen Handelsweges, des Rheinlaufs, und mußte frühzeitig zu einer Handelsniederlaſſung einla— den. Naturgemäß lehnte ſich der Markt an die ſchon ältere kirchliche Gründung an. Hier ſtrömten bei den kirchlichen Feſten die Umwohnenden von weit her zu ſammen, hier war die größte Nachfrage und das größte Angebot, hier unter dem Schutze der Heiligen und des Königlichen Saalhofes die größte Sicherheit für Perſon und Ware. Wann jene erſte Niederlaſſung ſtattgefun⸗ den hat, läßt ſich ebenſowenig ſagen, als über die Grün— dung des Marienſtifts und der königlichen Anlage Sicher⸗
**) Daß die Bedeutung Wetzlars nach dieſer Seite hin lag, beweiſt ihre Zurechnung zu den Wetterauer Städten Frank⸗ furt, Gellnhauſen und Friedbera. Auch führte die Handels⸗ ſtraße mit Umgehung des damals unbedeutenden Gießen direkt von Friedberg nach Wetzlar.


