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Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
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Dörfern hinabſenken. Zu den Füßen des Beſchauers dehnt ſich die weite Niederung, durchzogen von vie⸗ len aus Lahn und Dill gebildeten Waſſeradern, die ſich alle in der Nähe der Starkenweide zu einem Strome vereinigen. Sie umklammern die beiden Vorſtädte, welche unter ſich und mit der Altſtadt durch alte, maſſive Steinbrücken verbunden ſind, während weiter⸗ hin das Bahngeleiſe die hemmenden Waſſerläufe in leichterem Sprunge zu überwinden weiß. Gegen Weſten hin ſchlängelt ſich, dem Leibe einer ſchillernden Rieſen⸗ ſchlange vergleichbar, der ungeteilte Lahnſtrom durch grüne Wieſen, an rauchenden Schloten, den Schorn ſteinen des Hochofens von Burgſolms, vorbei, bis die ſich zuſammenſchiebenden Berge ihren Lauf zu hemmen ſcheinen. Über ihr hängt, wo ſie hart an die rechts ſeitige Bergwand ſtößt, das maleriſch gelegene Kloſter Altenberg, über dem in weiter Ferne aus dem Wald meere heraus der Turm der Dianaburg ſich erhebt, ein Platz, ſo recht gemacht, um der Weidmannsluſt im verſchwiegenen Waldesdickicht nachzugehen. Rechts von Altenberg, neben den ſpärlichen Trümmern des ehe⸗ maligen Dorfes Dalheim erkennt ein gutes Auge einen einfachen Obelisken, den Denkſtein einer ſiegreichen Schlacht, die Erzherzog Karl von Oeſterreich hier den Franzoſen lieferte*). Darüber werden auf der Höhe bei günſtiger Beleuchtung die ſchimmernden Ruinen der Burg Greifenſtein ſichtbar, die aber bei bedecktem Himmel in den grünen Laubwellen ſich bergen.

Gegen Südneſten ſchließt ſich der Kalsmunt mit mäßig ſich ſenkender Kehle an die Ausläufer des Tau nus, welche die Lahn auf dem linken Ufer begleiten, und von denen zu den Füßen des Beſchauers eine be⸗ buſchte Bergzunge, der Weinberg, ſcharf gegen das Thal einſpringt.

*) Das Denkmal trägt auf der Vorderſeite die Inſchrift: Karl, Erzherzog von Oeſterreich, ſchlug die franzöſiſche Armee unter dem Kommando des Obergenerals Jourdan am 15. Juni 1796.