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Wetzlar : eine topographisch-historische Skizze ; Festgabe zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Kreis-Schützenvereins Wetzlar gelegentlich des 5. Bundesschießens des Gau-Verbandes Hessen und Nassau am 10., 11. u. 12. Juli 1892 / dargebracht von Rektor Luerssen
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blick über dieſelbe zu gewinnen. Geradeaus führt die große Straße, nachdem wir zwiſchen den Reſten der alten Stadtmauer das verſchwundene Sillhöferthor durch⸗ ſchritten und auf einer Brücke, die als ſolche kaum bemerkt wird, den Wetzbach paſſirt haben, lahnabwärts zwiſchen wohlgepflegten Gärten und ſtattlichen Häuſern hindurch zu einem mit herrlichen alten Linden bepflanzten Platze, der Starkenweide. Zur Linken zieht vom Thore aus eine Straße ins Thal der Wetzbach auf⸗ wärts gegen das Dorf Nauborn, deſſen in den Tradi⸗ tionen des Kloſters Lorſch ſchon unter dem Jahre 789 Erwähnung gethan wird). Unſer Hauptaugenmerk aber nimmt der Burgberg in Anſpruch, deſſen Maſſe ſich beherrſchend in die Gabelung der beiden Thäler einſchiebt. Der Weg zieht zwiſchen dem Schützen⸗ garten, einem im Sommer viel beſuchten Gartenlokale, in dem ſich zugleich die alten Schießſtände des Kreis⸗ ſchützenvereins befinden, und den ſtattlichen, von ge⸗ ſchmackvollen Anlagen umgebenen Gebäuden der optiſchen Fabrik von Leitz durch eine noch erhaltene Vorſtadt⸗ pforte gegen den Berg. Leider wird die Reinheit ſeiner Höhenlinien empfindlich geſtört durch die Stein⸗ brüche, welche von der Oſt⸗ und Nordſeite immer tiefer in die Bergformen eindringen und den Geſammtein druck häßlich beeinträchtigen. Auch hat die Tannen⸗ gruppe, welche nach der Stadtſeite das Haupt des Berges wie eine dunkle Haarkrone umgab, ſtark ge⸗ lichtet werden müſſen, nachdem ein Käfer die ſchönſten Bäume zerſtört hatte. Um ſo prächtiger iſt der Anblick, der ſich uns, nach einer Wanderung von etwa zehn Minuten auf mäßig ſteigendem Fußwege zuerſt durch Baumſtücke und am oberen Drittel durch jene Tannen hindurch, auf der Höhe darbietet, und der rührige Wetzlarer Verſchönerungsverein hat in ausgiebiger Weiſe durch zahlreiche Bänke Sorge ge⸗ tragen, uns dieſem Genuſſe ungeſtört hingeben zu

*) Wigand, a. a. O. S. 48.