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wenn auch geſchickte und ſorgliche Mädchenhände ihnen damals ein wohnlicheres Anſehen verleihen mochten, ſo empfinden wir doch mit Rührung, in wie beſcheidenen Verhältniſſen unſere Vorfahren glücklich zu ſein ver⸗ mochten, erkennen vielleicht mit Genugthuung, wie viel reicher unſer Leben geworden. Zaubern wir uns jedoch in dieſe ärmlichen Zimmer die ſchönen Menſchen hinein, die einſt dieſelben belebten, und von denen keine Pracht der Umgebung den Blick abzieht, ſo mag manchem auch das Gefühl nicht erſpart bleiben, daß wir anſpruchsvollen Kindern der Gegenwart nicht ge⸗ ringe Gefahr laufen, in unſern reich dekorirten Räumen ſelbſt zu Dekorationsſtücken herabzuſinken.
Vom Thore des Deutſchen Hauſes und links wendend gelangen wir in die Schmidgaſſe, welche vom Buttermarkt herauf auf einen zweiten größeren Platz führt, den Kornmarkt. In den alten Regiſtern führt derſelbe die Bezeichnung„am Kornreyne“*), wie der ſchon erwähnte Name Gänſeweide ein Beweis, daß man Feld und Weideplätze in die Stadtummauerung hereinzog, die erſt bei fortſchreitender Entwicklung be⸗ baut wurden. Unter den Häuſern, welche den Platz umrahmen ragt in der ſüdlichen Reihe der Gaſthof zum Römiſchen Kaiſer hervor, kenntlich an dem ſtaat— lichen Standbilde über ſeiner Thüre. Nach Ulmenſtein wurden in ſeinem geräumigen Saale ſchon ſeit dreißig Jahren die Konzerte und größere Luſtbarkeiten, be⸗ ſonders zur Karnevalszeit die Maskenbälle abgehalten, eine Beſtimmung, der er bis heute noch treu geblieben iſt.
Vor den Anfängen der Stadt lag in dieſer Gegend eine königliche Anſiedlung, welche zwiſchen dem Kornmarkt und der ſüdlichen Stadtmauer ihren Aus⸗ gangspunkt gehabt haben dürfte, und ſich an den ſonnigen und fruchtbaren Berghängen, durch ihre Lage vor den ſcharfen Nord⸗ und Oſtwinden geſchützt, gegen
*) Wigand, Wetzl. Btr. I Heberolle von 1434§ 39; registr. cens. von 1390§ 49.


