an der Hauptwache und dem katholiſchen Pfarrhauſe auf der einen, der St. Michaelskapelle auf der andern Seite nach dem ehemaligen Wöllbacher Thor, vor dem ſie ſcharf nach rechts biegt und in die bereits erwähnte, an der großen Promenade ſich entlang ziehende Straße übergeht. Lenkt man aber bei der Hauptwache in die enge, zwiſchen Gartenmauern eingezwängte Pfaffengaſſe und wendet ſich bei der erſten Querſtraße, der ſo⸗ genannten Gänſeweide, zur Rechten, ſo gelangt man vor ein offenes Thor, welches in einen geräumigen Hof leitet. Im Hintergrunde ein ſtattliches, maſſives Haus, zur Rechten ein umzäunter, mit Bäumen ange— pflanzter Platz, in deſſen Mitte ein alter Baumſtumpf ſteht, zur Linken niedrigere, zum Teil zu Wirtſchafts⸗ zwecken beſtimmte Gebäude. Wir ſtehen vor dem Deutſchen Hauſe, früher Eigenthum des Deutſchen Ordens, der in dieſer Gegend anſehnliche Beſitzungen und Einkünfte hatte und zu deſſen Commende Schiffen— berg dieſes Anweſen gehörte. Jetzt iſt das Haus von der Stadt zu einem Heim für eltern⸗ und mittelloſe Kinder eingerichtet, und um den alten Baumſtumpf tummeln ſich im Schatten der Kaſtanien die Zöglinge einer Kleinkinderſchule
Ein enges, ſteiles Treppchen führt uns aus der erſten Thür des beſcheidenen Seitenbaues zu zwei Räumen, von denen der größere die Ecke des Hauſes gegen das Hofthor zu einnimmt. Hunderte von Fremden ſteigen jährlich die unſichern Stufen empor und laſſen ſich die kleinen und niedrigen Zimmer aunfſchließen, deren dürftiger Hausrat heute kaum den Anſprüchen der beſcheidenſten Arbeiterfamilie genügen würde. Es iſt das Lottezimmer, und das Haus war vor hundert⸗ undzwanzig Jahren die Wohnung des Ordensamtmanns Buff, der Schauplatz des Göthe⸗Wertherromans in Wetzlar. Einzelne ganz unbedeutende Gegenſtände, zum Teil von Lottes Hand, erinnern an die einſtige Be⸗ wohnerin, und pietätvoller Sinn hat die Räume in zeitentſprechender Weiſe auszuſtatten geſucht. Aber


