Wetzlars zu einer Zeit ſchrieb, als das Reichsgericht noch beſtand, giebt von dieſem Gebäude eine ein⸗ gehende Schilderung“) und bedauert, daß es durch die Nähe des an der hinteren Seite vorbeifließenden Lahn⸗ ſtromes einer den Gerichtsakten ſehr nachteiligen Feuchtigkeit ausgeſetzt ſei, und daß man die Akten ſehr häufig mit Schimmel bedeckt gefunden. Deshalb wurde nebenan ſeit dem Jahre 1782 ein Gewölbe für das Reichskammergerichtsarchiv gebaut, auf deſſen Grundmauern ſpäter das jetzige Königl. Preußiſche Amtsgericht errichtet worden iſt. Jetzt befindet ſich in dem alten Gewölbe ein preußiſches Staatsarchiv mit einer ſchätzenswerten Bibliothek und demjenigen Teile der alten Gerichtsakten, welche bei der Ver⸗ teilung an die einzelnen Bundesſtaaten als preußiſche und ſogenannte inseparabilia(unteilbare) zurückbehalten wurden. Für das Studium der allgemeinen Rechts⸗ und Kulturgeſchichte bietet daſſelbe ſehr wertvolles Material, welches noch lange nicht genügend aus⸗ gebeutet iſt und von dem Vorſteher deſſelben, Herrn Archivrat Veltmann, in der zuvorkommendſten Weiſe zugänglich gemacht wird.
Schräg gegenüber der Weinſtube von Ortenbach, an deren Längsſeite eine Treppe den ſogenannten Eſelsberg zur alten Lahnbrücke hinabſteigt, führt eine enge, winklige Gaſſe aufwärts zum Buttermarkt. Den Namen Baugaſſe hat ſie vermutlich von der Bauhütte, in welcher, wie bei allen großen Kirchenbauten der gothiſchen Zeit, die Pläne zum Dombau ausgearbeitet und das Material hergerichtet wurde, über deren Lage aber Nachrichten nicht mehr vorhanden ſind. Den be⸗ quemern Zugang zum Buttermarkt aber bildet die Schwarzadlergaſſe. An der obern rechten Ecke ſteht
*) F. W. v. Ulmenſtein, Geſchichte und topographiſche Be⸗ ſchreibung der Kaiſerl. freien Reichsſtadt Wetzlar, 3 B., Hadamar 1802— 10 I. Tl. S. 86 ff. Als Wetzlar preußiſch wurde, verwandte man das Gebäude zu einer Kaſerne für das 8. rheiniſche Jägerhataillon.


