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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
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zu ihnen zu gelangen, werden wir abermals die Hardt ersteigen und das preussische Gebiet, wozu sie seit 1816 gehören, betreten müssen. Von hier geht es allmälig aufwärts, bis wir uns der Basaltkuppe nähern, auf welcher Gleiberg steht, und die uns zu grösserer Anstrengung auf- fordert. Vor dem südöstlichen Thore des Städtchens steht eine alte Linde mit ihrem Unterbau der mehrhundertjährige Sammelplatz der Jugend und des ernsteren Alters an freundlichen Abenden. Wir treten hierauf in das Städtchen, welches den Gipfel mit dem Schlosse zur Hälfte umgürtet und seine mittelalterliche Befestigung zum grossen Theile erhalten hat. Ein gastliches Haus nimmt uns auf und gewährt nicht nur Labung und Stärkung für den Müden, sondern auch eine reiche Aussicht oder Schatten bei drückender Hitze. Nachdem wir uns gestärkt, besuchen wir das alterthümliche Schloss. Vor seinem Eingange steht malerisch das gothische Kirchlein, weithin sichtbar in der Ferne. Von da gelangt man in den zum Theil noch bewohnten Vorhof links, rechts aber nach den Trümmern des eigentlichen. Schlosses. Wie eigen- thümlich fühlt man sich hier angeregt in diesen alten Mauern, den viel- sagenden Resten früherer, jetzt längst verschwundener Herrlichkeit. Hier war die Stammburg des edeln Geschlechtes der Grafen von Gleiberg (Glitzberg, Glibberg), dessen schon in der Mitte des eilften Jahrhun- derts Erwähnung geschieht, das im Besitze weitläufiger Ländereien, wie u. A. auch von Giessen war. Wie Eins seiner Zweige das Kloster auf dem Schiffenberg gegründet, haben wir oben gesehen. Der männ- liche Stamm der Grafen von Gleiberg erlosch jedoch schon im Jahr 1168, und das Stammschloss gelangte an die Dynasten von Merenberg, nach deren Absterben an das nassauische Haus und von diesem an Preussen.

Ausser dem gewaltigen Bergfried, dem runden Thurme, finden wir fast nur Reste alten Mauerwerks; an demselben aber bemerken wir hier und da noch einzelne Steine, welche auf das eilfte und zwölfte Jahrhundert zurückweisen, wie zwei Rundbogen und an einem alten Fenster zwei im byzantinischen Geschmacke bearbeitete Säulenknäufe, die wohl lange Zeit als Fenstersitze benutzt worden sein mögen. Der schöne Epheustock, welcher sonst einen Theil des Mauerwerks zierte, existirt leider nicht mehr. Dagegen wird der Blick, welchen man von dieser Höhe und von diesen Trümmern hat, ewig neu und ewig wohl- thuend bleiben. Eine grosse Landschaft liegt nach allen Seiten hin vor uns ausgebreitet; wir sehen das Getriebe der Menschen, aber wir werden von demselben nicht berührt, und es ist als lebte man in einer höheren Welt, von welcher herab man alles Schöne unter sich aufzu-