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ein schmaler gepflasterter Hochweg, der mit vielen Durchlässen ver- versehen war und in der Regel die einzige Passage nach dem Kirch- hofe, dem Buschischen Garten etc. abgab.— Die Stadt hatte im Jahre 1805 ohne die Garnison(das jetzige dritte Regiment lag dort) 5174 Einwohner, meist Protestanten(nur sehr wenige Katholiken und Juden befanden sich dabei). Die Universität, welche seit 1803 durch die Vergrösserung des Landes zugenommen hatte, zählte damals 19 ordent- liche, 5 ausserordentliche und 2 Honorar-Professoren und gegen 200 Studenten.*)
Als es seine hohen Wälle und seine Thorthürme verloren hatte, sah es geraume Zeit ziemlich kahl und mit seinem einzigen Thurme wie ein grosses Dorf aus. Erst nachdem die Bäume in den neuange- legten Gärten etwas herangewachsen waren und die starke Brücke, welche vor dem Selzerthor über die Mieseck sich wölbt, den Selzersberg mit der Stadt verbunden und die dazwischenliegende Vertiefung aus- geglichen hatte, die darüber führende Strasse angebaut, besonders die katholische Kirche mit ihrem Thurme errichtet war, erst da gewann Giessen ein anderes Aussehen.
Bevor wir jedoch den Leser nach dem neuen Giessen führen, wollen wir ihn erst noch etwas bekannter mit dem alten Giessen machen, wie es jetzt ist, und glauben ihm zu dem Ende Folgendes mittheilen zu müssen.
Die Namen der vier Thore, des Selzer-, Neuweger-, Wall- und Neustädter-Thores, sind geblieben. Statt der alten Thorthürme gewahrt man jedoch jetzt an beiden Seiten der Eingänge Thorhäuser, die, wie man sieht, urspünglich zu Wachthäusern bestimmt waren. Daraus ist zu ersehen, dass ihre Erbauung sich aus den Zeiten datirt, da Giessen noch eine Garnisonsstadt war.**) Das wenige Militär, welches jetzt auf Commando in Giessen zu liegen pflegt, hat seine kleine Kaserne in einer Seitengasse, rechts am Selzersweg.— Neuerdings wurde ausser diesen vier alten Eingängen zu der Stadt ein neuer an dem Asterweg eröffnet.— Durchgeht man die Stadt in ihrer Länge von Südwest nach Nordost, so gelangt man nach Beendigung des Selzerswegs auf den ersten freien Platz,„auf dem Kreuz“ genannt, in welchen sich fünf
*) Bei einem feierlichen Leichenzug, der im Jahr 1803 einem in der Lahn ertrun- kenen Studenten zu Ehrey veranstaltet wurde, erschien ein Gedicht, welchem die Namen sämmtlicher damaligen Studenten beigedruckt waren. Interessant ist es, die damaligen Chargen der Anführer zu lesen.
**) Einige dieser Häuser präsentiren sich dem Fremden unfreundlich, weil sie ihm nur eine Mauer darbieten.


