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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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getheilt worden war, nämlich von 1625 bis 1650, wieder mit der zu Marburg vereinigt war und von da an sich unausgesetzt in Giessen befand. Unter ihren vielen Schwestern im deutschen Vaterland hat sie freilich nie die erste, aber auch niemals die letzte Stelle eingenommen*) und nicht allein eine grosse Anzahl ausgezeichneter Männer unter ihren Lehrern besessen, sondern auch ausgezeichnete Männer gebildet. Es möchte uns zu weit führen, wollten wir hier näher erzählen, wie sie sich nach und nach zu dem gebildet, was sie jetzt ist, und auf den Standpunkt gebracht wurde, worauf sie nun steht. Die Zahl der Lehrer bestand 1707 aus 19, im Jahre 1787 aus 15 ordentlichen, 1 ausserordentlichen Lehrer, 2 Lectoren, 1 Prosector und 4 Maitres, 1805 aus 19 ordentlichen, 5 ausserordentlichen und 2 Honorar-Professoren. Gegenwärtig(Winter 185) zählt sie 32 ordentliche, 2 Honorar-, 17 ausserordentliche Pro- fessoren, 1 Repetenten, 6 Privatdocenten und 1 Lehrer der freien Künste, zusammen 59 Lehrer. Die Zahl der Studirenden ist beständigem Wechsel unterworfen; hier wollen wir nur angeben, dass sie im Jahre 1813= 241, 1823= 351, 1826= 418, 1835= 301, 1840= 404, 1845= 512, 1847= 570, 1850= 438, 185%= 413, 185 ½ ä= 379, 1852= 411, 185= 392**) betrug.

Nach altherkömmlicher Weise bestand bis 1830 die Universität aus 4 Facultäten, so dass, was nicht zur theologischen, juristischen und medicinischen Facultät gehörte, der philosophischen zugetheilt war. Im Jahr 1830 wurde eine fünfte neue Facultät gegründet, nämlich die katholisch-theologische. Beide theologische Facultäten wechseln alljähr- lich im Vortritt, sowie das Amt eines Rectors alljährlich je nach den fünf Facultäten wechselt.***)

Mit der Universität sind noch folgende Institute und Anstalten ver- bunden: 1) das philologische Seminar, das jährlich unter die ausgezeich- netsten seiner Zöglinge Preismedaillen vertheilt; 2) die vereinigte

*) Sie hat von jeher mit dem Uebelstand zu kämpfen gehabt, der in kleineren Staaten bei kleineren Anstalten der Art nicht zu entfernen ist, dass sie Akademie und Hochschule zugleich sein muss. Der Akademiker hat die Wissenschaft zu fördern, der Professor die künfligen Staatsdiener auszubilden. Freilich will auch dieser die Wissen- schaft kultiviren, jener gerne, was er zu Tage gefördert, Zuhörern mittheilen.

**) Dies ist ungefähr die mittlere Zahl der Frequenz aller deutschen Universitäten.

***) Nach gleich altherkömmlicher Weise erhält der Rector das PrädicatMagni- ficenz. In der lateinischen Anrede erhält er das Prädicat magniſicus. Die Mitglieder der theologischen Facultät werden mit viri summe reverendi, die der juristischen mit viri consultissimi, die der medicinischen mit viri experientissimi, die der philosophischen mit viri excellentissimi angeredet.