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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
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berührte Philosophenwald, der in jüngster Zeit mit einigen Anlagen geziert und mit manchen Wegen versehen wurde, die, wenn dem Ganzen noch etwas mehr nachgeholfen wird und hier und da das Buschwerk sich gestreckt und verbunden hat, dem Wanderer gewiss schöne Spazier- gänge darbieten werden. Wir wollen noch aufmerksam darauf machen, dass sich in dem höheren Theil dieses Waldes eine ziemliche Anzahl alter sogenannter Hünengräber oder Heidenküppel befindet, die freilich vor mehr als hundert Jahren fast alle durchwühlt sind.*)

Nähern wir uns wieder der Stadt, so kommen wir ohnweit dem Kirchhofe vorbei, der in neuerer Zeit ziemlich erweitert wurde. Wer hier sich umsehen will, wird Veranlassung zu ernsten Betrachtungen genugsam finden. Hier liegt gar mancher biedere Mann, gar Mancher, der im Leben durch Wissenschaft sich auszeichnete, und gar mancher wackere Jüngling, der Stolz seiner Kameraden und die Hoffnung seiner Eltern. Unter den Grabmälern befinden sich neben ganz einfachen zum Theil recht kunstreiche und geschmackvolle. In dem älteren Theile des Kirchhofes steht eine Todtenkapelle; weiter hinten ist dem biederen Wortmanne zu Ehren von seinen Freunden ein Leichenhaus errichtet,

das die Aufschrift führt: UNSERM WORTMANXN.

3. Die öffentlichen Anstalten Giessens, Schulen, Behörden etc.

Wir glauben den geneigten Leser nun auch ein wenig mit den inneren Verhältnissen, Einrichtungen, den Behörden, öffentlichen An- stalten Giessens etc. bekannt machen zu müssen, nachdem wir ihm das Aeussere der Stadt kurz vor Augen gestellt haben. 1

Die Stadt Giessen besitzt zuerst in der Landes-Universität, ihrem erhabenen Stifter zu EhrenLudwigs-Universität genannt, eine Anstalt, die sie vor allen andern Städten des gesammten Grossherzogthums voraus hat und auf welche die Stadt mit Recht stolz sein kann. Ge- schichtlich wollen wir hier nur mittheilen, dass dieselbe im Jahr 1607 in Folge der zu Marburg entstandenen kirchlichen Misshelligkeiten vom Landgrafen Ludavig V. gegründet wurde, während des dreissigjährigen Krieges aber, da Marburg dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zu-

*) Auch südlich von Giessen, in der sogenannten Linder Mark, ist eine bedeu- tende Anzahl solcher alten Gräber, sowie an der Grünberger Strasse unweit Annerod.