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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
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berg nach einem Plane ausgeführt wurde. Doch besteht der grösste Theil aus freundlichen Wohnungen.

Ein weiterer Gang um die Stadt führt uns nach dem Neuweger Thore.

Ausser einigen neuerrichteten, zum Theil geschmackvollen Häusern entdeckt hier das Auge links eine grosse Wiesenfläche, die weit in das Busecker Thal der Wieseck entlang sich erstreckt und auf der einen Seite von dem Philosophenwalde und dem sogenannten Tyieb begrenzt wird. Vom Neuweger Thore an führt eine mit vielen Kosten angelegte Dammstrasse über diese Wiesenfläche und auf einer kunstvoll gewölbten Eisenbrücke weiter östlich, um bald wieder in mehreren Richtungen aus einander zu gehen. Geradeaus gelangt man in den Bush'schen Garten, dem schon seit mehreren Menschenaltern vielbesuchten Vergnügungsorte, von dessen vorderer, nach der Stadt gekehrten Seite unser Künstler eine Ansicht mittheilt. Das muss man dem Erbauer zugestehen, dass er die Kunst verstand, nicht nur dem Gebäude die rechte Stelle anzu- weisen, von wo man die Stadt mit einem grossen Theile der westlichen Umgegend gleich einem Panorama zu überschauen vermag, sondern dem Gebäude auch ein solches Aussehen gab, dass es zum Schmucke der Gegend wesentlich beitrug.*) Die Anhöhe unmittelbar hinter dem Busch'schen Garten führt den Namen Nahrungsberg;**) er steht mit dem oben erwähnten Tyieb, auf welchem vor etlichen Jahren Herr von Liebig ein Landhaus errichtete, in Verbindung. Geht der Wanderer weiter, so bemerkt er bald, dass die beiden neuen Kunststrassen, welche von der oben erwähnten links abgehen, über diesen Trieb***) ziehen; die eine führt eine geraume Strecke in gerader Richtung durch den Wald zunächst nach dem Dorfe Steinbach, dann weiter nach Lich, die zweite führt über mehrere Orte nach Grünberg, wo sie mit einigen andern Strassen zusammenkommt. An den Trieb stösst der oben

*) Das Ganze war ursprünglich viel zu schmal, und musste dem steigenden Mangel an Raum durch Errichtung von Hintergebäuden später abgeholfen werden. In dem vor nicht vielen Jahren errichteten Saale finden die öffentlichen Sitzungen des Assisengerichts wenigstens vor der Hand statt. In den Zwischenzeiten mag er auch noch Raum darbieten zu Bällen und Commercen.

**) In einem der Gärten an diesem Nabrungsberg steht ein uralter schöner Taufstein.

***) Auf diesem Trieb befand sich früher eine Anzahl alter, an den Spitzen zum Theil abgestorbener Eichbäume. Einer alten Sage zufolge ruhte auf ihnen der Fluch eines Fremdlings, der hier unschuldig hingerichtet wurde und vor seiner Hinrichtung noch ausrief:Gott werde ein Zeichen an diesen Eichbäumen thun und sie gipfeldürr machen vor der Zeit, zum Beweise, dass er unschuldig sterbe.

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