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liegen die Bleichen. Von hier aus wird er die Stelle finden können, welche der Künstler zu einer der obenerwähnten Ansichten benutzte und worin man über der Brücke den neuen Theil der Stadt auf dem
Selzersberg erblickt.
Es wäre eine Versündigung gegen unsere Lahn, wollten wir derselben nicht mit ein Paar Worten hier gedenken. Sie führt zwar bis jetzt keine Fracht- und Dampfschiffe, wie der Rhein und Main, dennoch ist ihr Dasein für die Bewohner von Giessen von unberechenbarem Nutzen, und wird es bald noch mehr werden, da ihre Schiffbarmachung der Vollendung nahe ist. Vor 50 Jahren benutzte man ihr Wasser fast nur für die Mühlen und zum Waschen in der Haushaltung. Sonst hatte der Fluss für den Bewohner etwas Grausenhaftes, und daher rührt auch die alte Sage, vom Hessler her höre man zu Zeiten einen unheim- lichen Ton, worauf besorgte Eltern ängstlich ihre Kinder zu Hause hielten, denn dann hiess es,„die Lahn hätte gerufen“, und wenn sie rufe, dann wolle sie allemal ihr Opfer haben. Damals badeten fast nur Studenten, die von andern Orten her ans Baden gewöhnt waren. Wer aber baden wollte, der suchte sich kurzer Hand ein Plätzchen am Ufer, wohin er seine Kleider legen konnte, und sprang dann ins Wasser. Nachgerade legte man hier und da Badehäuschen an, und als man sich von den wohlthätigen Einwirkungen des Lahnwassers auf den mensch- lichen Körper überzeugt hatte, vermehrten sich diese in auffallender Weise. Der Neuzeit genügte aber auch das gewöhnliche Bad im stillen Wasser nicht mehr; man wollte, wie in anderen Dingen so auch hier, Piquanteres(der Feinschmecker würde es haut-goüùt nennen) und errichtete in der Nähe der Mühlen und Mühlräder sogenannte Wellenbäder. Kurz, die Lahn ist jetzt schon um der Bäder willen ein durchaus unentbehrliches Wasser für die Bewohner von Giessen, und sie sind jetzt eben so innig mit ihr befreundet, als sie sich früher vor ihr fürchteten.
Wollen wir nun die neue Stadtanlage betrachten, welche sich nach Nordosten an die alte Stadt anschliesst, so werden wir uns wieder zurück nach dem Neustädter Thore wenden müssen, dann einen Theil der sogenannten Schur(so heisst der Umgang um die alte Stadt) unter Bäumen wandeln und endlich an dem Wallthore die Marburger Strasse einzuschlagen haben. Man sieht diesem Theile der Stadt an, dass er sich nach dem Bedürfnisse gebildet hat, nicht wie der auf dem Selzers-


