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liche Anatomie und operative Chirurgie nöthig ist, im ersten Stock, im zweiten befinden sich die für Physiologie und vergleichende Anatomie bestimmten Räume. An diesen Hauptbau stossen zwei der Strasse sich nähernde Flügel, deren jeder 80 Fuss lang und 30 Fuss tief ist. Sie haben ein flaches, mit Zink gedecktes Dach und enthalten im untern Stock die pathologisch-anatomische und physiologisch-anatomische, im zweiten Stock die zoologische und vergleichend-anatomische Sammlung.*) Beiden zuletztgenannten Gebäuden gegenüber stehen nicht nur freund- liche Wohnungen mit reicher Aussicht, sondern befinden sich auch die viel besuchten Anlagen um den Loosischen Felsenkeller für Freunde der schönen Natur und guten Bieres.
Wir wenden uns, die Betrachtung der neuen Bahnhofsgebäude dem ankommenden Fremden überlassend, nach der Nordwestseite der Stadt, wo uns beim Ausgange aus dem Neustädter Thor ein neuer Viaduct empfängt, unter welchem wir den Bahndamm durchschneiden, um nach der Lahn zu gelangen. Was uns ausser dem Flusse hier zunächst auffällt, ist die neue, äusserst geschmackvolle, aus 5 flachen Bogen bestehende und aus Basaltquadern von Londorf(Lungsteinen) errichtete Brücke. Sie wurde in den Jahren 1845 bis 1848 mit einem Kosten- aufwande von 290,000 Fl., wie man sagt, erbaut, und ist der Baumeister der Provinzialbaumeister Mäller, welcher jedoch die Vollendung des schönen, aber auch kostbaren Werkes nicht erlebte.**) Es wird den Fremden nicht gereuen, sie zu überschreiten. Rechts sieht er, ausser den Badehäusern, zunächst die Stadtmühle mit ihren 6 Mahlgängen; links liegt die Pulvermühle, und dem Thale hinab schweift der Blick nach verschiedenen entfernteren Gegenständen. Hat. der Wanderer das jenseitige Ufer erreicht, so empfängt ihn rechts zuerst der freie Platz, auf welchem der Haupthandel an Markttagen statt findet; etwas weiter
*) Nach der Bekanntmachung von 1844 belief sich der Voranschlag zu diesem allerdings zweckmässig eingerichteten Gebäude auf 46,837 Fl. 44 Xr. Ausser den dazu von den Landständen bewilligten 60,000 Fl. wurde später nachträglich die Summe von 30,000 Fl. verwilligt, und als auch diese nicht ganz ausreichten, so wurden auf einem folgenden Landtage noch 5000 für Meublirung für nothwendig erachtet. Wer sich über das Gebäude und seine Einrichtung noch weiter belehren will, den verweisen wir auf das kürzlich erschienene Werk:„Das neue Xnatomiegebäude zu Giessen von Dr. Th. L. W. Bischoff. Mit 4 lithogr. Tafeln. 4. Giessen 1852.“
**)„Jeder Bogen hat 60 Fuss Sprengweite; die Zwischenpfeiler betragen 8 Fuss, die Widerstandspfeiler 16 Fuss, so dass die ganze Länge der Brücke mit den Flügel- mauern am Lande etwa 390 Fuss beträgt. Da die Wölblinie aus sehr flachen Stich- bogen besteht, so hat der Bau etwas höchst Kühnes und Imposantes.“ Nach Mit- theilungen.
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