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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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unter- und oberhalb dieser Kirche neue und grossentheils geschmack- volle Wohnhäuser sich befinden, treten wir auf der andern Seite der Heerstrasse, da, wo die neue Universitätsstrasse sie durchschneidet, in einen grossen viereckigen, mit Staketen versehenen Raum, in dessen Mitte die oben genannte Clinik steht; ein gewaltiges dreistöckiges Ge- bäude; die Ecken des eingeschlossenen Raumes sind ebenfalls mit Ge- bäuden versehen. Es ist bekannt, dass jenes grosse Gebäude, das in den Jahren 1817 bis 1819 errichtet wurde, ursprünglich zu einer Ka- serne für das jetzige dritte Infanterie-Regiment bestimmt war. Es war noch nicht lange von dem Militär bewohnt, als Streitigkeiten zwischen ihm und den Studenten entstanden, in deren Folge das Regiment(1821) von Giessen verlegt werden musste. Später wurde das Gebäude der Universität eingeräumt, und findet sich jetzt unter Anderm in dem südöstlichen Theile die vereinigte Universitäts- und Senkenbergische Bibliothek, das Antiken- und Münz- Cabinet etc. und in dem nordwestlichen Theile das akademische Hospital mit den beiden Cliniken. Die vier Thürmchen in der Mitte, mit Zinnen versehen, erinnern noch an den ursprünglichen Zweck des Gebäudes. In dem Einen der südöstlichen Eckgebäude des Hofraumes ist die Gensdarmerie, das andere ist Amtswohnung des ersten Bibliothekars. In dem nordwestlichen Ende des Hofraumes nimmt das von Liebig ins Leben gerufene chemische Laboratorium unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Dagegen mag das nächstfolgende Gebäude, das von einer hohen Mauer umgeben, und über dessen Eingang ein besonderes Thorgebäude errichtet ist, einen minder erfreulichen Anblick gewähren; es ist das Provinzial-Arresthaus. An dasselbe schliesst sich das neue Anatomie- Gebäude. Beide bilden schon dem Aeussern nach einen recht schroffen Gegensatz; jenes ist mit wenigen kleinen und schmalen Fensteröffnungen versehen, als wolle man dem Bewohner jeden Lichtstrahl abschneiden; dieses besitzt eine reiche Fülle von Fenstern, als könne man jeden Gegenstand darin nicht genau und scharf genug betrachten. Von beiden hat man zwar eine schöne, freie Aussicht; doch mõgen die Bewohner des Ersteren davon wenig Gebrauch machen. Dagegen ist uns das Anatomie- Gebäude zu wichtig, als dass wir ihm nicht noch eine kurze Zeit unsere Aufmerk- samkeit schenken sollten. Der Hauptbau ist vorne zwei- und hinten dreistöckig. Er hat eine Länge von 140 Fuss und 54 Fuss Tiefe, ist jedoch von der Strasse etwa 140 Fuss zurückgerückt und hat in der Mitte nach Süden zu einen aus dem Achteck construirten Anbau für den akademischen Hörsaal. Es enthält, ausser den unteren Räumen (Souterrains), unter Anderm den Secirsaal, überhaupt was für mensch-