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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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II. Bilder aus der Nachbarschaſt von Giessen.

I. Grossenlinden.

Wir beginnen unsere Wanderungen in den Umgebungen von Giessen mit einem Gange nach Grossenlinden. Zu dem Ende schlagen wir die alte Chaussee ein, welche ziemlich Berg auf, Berg ab geht und uns an dem Dorfe Kleinlinden*) vorbei führt. Hier trennt sich die nach Wetzlar ziehende Strasse und nimmt die Richtung nach Westen, während wir weiter südlich wandern. In Grossenlinden, einem alten Landstädtchen, das sonst mit einem bedeutenden Walle umgeben und mit Thorthürmen versehen war, jetzt aber durch Entfernung derselben ein heiteres Aussehen gewonnen hat, interessirt uns ganz besonders die alte Kirche. Das Gebäude mit seinem dicken viereckigen Thurme ist eben nicht sehr schön. Es bildet ein Kreuz; die Ecken der nach der

*) Es ist irgendwo angegeben, dass dieser Ort sich erst gegen 1580 1590 zu einer Gemeinde gebildet habe, als einige Familien sich von Grosslinden dort angesiedelt. hätten. Letzteres mag richtig stehen, das Erstere aber nicht. Der Name Kleinlinden ist allerdings neu und beweist, dass Diejenigen, welche ihn aufbrachten, nicht wussten, dass bereits ein Zützellinden existirt und was dieser Name bedeutet. Wenn nämlich in älteren lateinischen Urkunden minus Linden vorkommt, so ist dies auf Lützellinden zu beziehen; wenn aber in der bekannten Urkunde von 1280(Guden. C. D. III. 1159) von einer minori villa, dicta Lindes gesprochen wird, so bezeichnet dies Kleinlinden, das früher immer unter dem Namen Lindes vorkommt, wie es das Volk auch immer noch mit Linnes, und nie anders, benennt. Nach dem Dorfbuche von 1577 hat dieses Dorf Lindes 17 Hausgesessen(also ungefähr 85 Einwohner)sampt Georgen von Weitershausen 2 Höffen, 5 Wagen mit Weitershausen Hoffleuthen, so dienstfrei seindt. Pfarrt gen Grossenlinden. Dieses Weitershausensche Gut war später und bis in die neueren Zeiten bei der Familie Wreden, ists aber jetzt nicht mehr. So viel mir bekannt, steht noch der Rest eines alten Thurmes in der Nähe des Wohnhauses.