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Unter Landgraf Philipp dem Grossmüthigen wurde Giessen inner- halb eines Zeitraumes von 4 Jahren mit neuen Festungswerken verschen, die jedoch während der Gefangenschaft dieses Fürsten geschleift, später aber wieder hergestellt und unter Ludwig IV. und Georg II. erweitert wurden. Hier wollen wir noch der grossen Feuersbrunst gedenken, die am 27. Mai im Jahr 1560 durch den Blitz veranlasst wurde, und allein 160 Wohnungen vernichtete. Daher der Name des öffentlichen Platzes, dessen wir oben unter dem Namen„der Brand“ erwähnten, sowie der der Brandgasse.
Während des schrecklichen dreissigjährigen Krieges war Giessen einer der wichtigsten, wo nicht der wichtigste Punkt des Landes und die eigentliche Schutzmauer für dasselbe; es war darum auch geraume Zeit die Residenz des Landgrafen. Wenn es aber auch während der ganzen Dauer dieses Krieges nicht erobert wurde, so konnte es sich eines gleichen Glückes im siebenjährigen Kriege nicht rühmen, indem es die Franzosen vom Jahr 1759 bis nach dem Friedensschlusse, näm- lich bis 1763, besetzt hielten.— Als im Juli 1796 Jourdan mit der Sambre- und Maas-Armee wieder von Neuwied aus vordrang, musste sich der viel schwächere östreichische General Wartensleben zurück- ziehen und die Franzosen besetzten die Stadt, bis sie im September dieses Jahres durch das Vordringen des Erzherzogs Karl genöthigt wurden, sie wieder zu verlassen, um die Bewohner durch ein Bombar- dement in neue Schrecken zu setzen. In den damaligen Kämpfen sah die Gegend manche ausgezeichnete Männer, unter welchen wir ausser den schon angeführten nur Lefebore, Bernadotte, Kleber, No«y und Hoche*) nennen wollen.— Welche Massen von Einquartierungen und Durchmärschen die Stadt bis zum Jahr 1815 zu erfahren hatte, ist den älteren ihrer Bewohner gewiss noch recht gut erinnerlich.
*) Hoche starb am 18. September 1797 zu Weltzlar. Ney(der als Fürst von der Moskwa so unglücklich endete) wurde am 21. April 1797 zwischen Steinberg und Grüningen von östreichischen Husaren gefangen genommen.


