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allen diesen Gebäuden war das noch jetzt stehende Zeughaus bei Wei- tem das Interessanteste und Grossartigste; es war im Jahre 1586 vom Landgrafen Ludwig IV. erbaut und enthielt eine grosse Menge ver- schiedenartiger Waffen, Rüstungen etc., die jedoch im Laufe der Zeit theils von Feinden mitgenommen, theils verschleppt, theils öffentlich versteigert wurden.
Von Privatgebäuden in der Stadt mögen das von Gatzertsche in der Neustadt(jetzt die Gailpche Tabaksfabrik), das von Senkenbergische auf dem Brand(in-der- Gegend wo jetzt das Gymnasialgebäude steht), das von Grolmansche Haus in den neuen Bäuen(das jetzige Clubbge- bäude), das Müllersche Gebäude auf dem Asterweg und die neue Post (jetzt die alte Post) die bedeutendsten gewesen sein.
Ein besonders alterthümliches Ansehen hatte und hat wohl noch die Hirsch-Apotheke auf dem Markte, ein hölzernes Gebäude mit fünf Stockwerken und Giebeln. Ausser diesem zeichnete sich das damalige Pädagogialgebäude mit seinen dicken hölzernen Pfosten aus; es war das Eckhaus, wenn man von der Gegend in der Sonne nach dem Neuenwege geht.
Das alte Rathhaus steht auch noch. Auf dem Marktplatze vor ihm war ein Brunnen, über welchem eine geschmacklose Figur(das sogen. Marktbrunnen-Männchen).
Vor den Thoren befanden sich, ausser den Mühlen*), dem Schiess- haus und der Todtenkirche nur wenige oder gar keine Gebäude.
So ungefähr war Giessen vor etwa 50 Jahren. Es besass eine chaussirte Strasse, die von Butzbach kam, durch die Stadt ging und nach Marburg zog, aber weder eine Chaussee nach dem Hinterlande, noch nach Wetzlar, noch nach Grünberg, noch nach Lich, noch gar nach dem Schiffenberg war zu sehen. Dafür stand noch die alte Brücke über die Lahn, zu welcher man, wenn der Fluss nur einigermassen angeschwollen war, trocknes Fusses nicht gelangen konnte, und am Neuweger-Thor ausser dem„grossen Steinweg“, der, wenn die Wieseck stieg, auch nicht zu Fuss passirt werden konnte, der kleine Steinweg,
*) Von diesen Mühlen existirt die sogenannte Kleine Mühle seit geraumer Zeit nicht mehr. Sie und die Pulvermühle waren eine Zeit lang Orte, welche von Studenten gern besucht wurden. Erstere musste jedoch abgebrochen werden, um dem überhand nehmenden Eindringen des Wassers in die Keller der Bewohner zu steuern und dem durch die Stadt und neben derselben vorbeifliessenden Wasser ein stärkeres Gefälle und ein tieferes Bette zu verschaffen.— Im Jahre 1630 hatte Giessen, ausser den zwei städti- schen Mühlen, wovon die Erste mit 6, und die Andere mit 2 Mahlgängen, 1) eine Pulvermühle, 2) eine Lohmühle, 3) eine Poliermühle und 4) eine Walkmühle.


