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gehoben wurde. Da und dort blieben von dem Walle einzelne Reste stehen, die man noch jetzt als Hügel bemerkt. Auch von den Case- matten(Mordkellern) und Schanzen sind hier und da die Spuren sehr deutlich*).
Zwei Kirchen hatte die alte Stadt; die Eine war die Stadt- oder Pancratius-Kirche, die Andere, die sogenannte Burgkirche, stand unweit der jetzigen Amtswohnung des Provinzial-Superintendenten. Beide waren in jammervollem Zustande. Die erstere wurde 1809 abgebrochen und an ihrer Stelle ein neuer Bau begonnen, der erst 1821 vollendet wurde, wie man ihn noch jetzt sieht. Der alte Thurm blieb, jedoch von ihr etwas getrennt, stehen. Die Burgkirche war ursprünglich ein Ballhaus gewesen und 1646 errichtet worden. Abgebrochen wurde sie 1824.
Da, wo jetzt die Aula steht, befand sich das Collegienhaus, ein 140 Fuss langes und 34 Fuss tiefes Gebäude. In seinem Innern befand sich: die alte Universitäts-Bibliothek, in welcher auch die von Landgraf Philipp von Butzbach verfertigten astronomischen Instrumente ihren Stand hatten, sodann die Hörsäle der 4 Fakultäten, in welchen jedoch keine Vorlesungen gehalten wurden. Ein grosses Portal war bestimmt, den Eingang zu zieren, konnte aber dem Geschmacke unserer Zeit nicht entsprechen. Auf dem dabei stehenden Thurme war eine Sternwarte. — Mit diesem Gebäude war früher durch einen brückenförmigen Gang**) der Kanzleibau verbunden gewesen, damit Landgraf Georg II., der sich lange in Giessen aufgehalten, bequem von dem einen zum andern Ge- bäude sich begeben konnte. Hier muss wohl sonst eine alte Burg ge- wesen sein, und noch steht von derselben ein alter runder Thurm, der Heidenthurm genannt. Vor der Kanzlei(Regierung) heissts der Burgberg oder Kanzleiberg; jener gegenüber befand sich die Commandantenwohnung; dem Collegienhaus gegenüber war die Reitbahn, an welche die Anatomie stiess. Weiter auf dem Brand befand sich links die Hauptwache, rechts das Schloss, dessen IHIof ausser dem eigentlichen Schlossgebäude von dem Zeughaus, der Amtskellerei und dem Marstall eingeschlossen war. Von
*) Von den ehemaligen Schanzen(Ravelins) ist die am Wallthor, worauf sich das Wirthschaftsgebäude des Herrn König befindet, noch am sichtbarsten. Die am Neu- wegerthor ist unter dem Heyerschen Hause. Die am Selzerthor ist im Schneiderschen Garten zu suchen. Zwei deckten den Einfluss und Ausgang des Abzugsgrabens und eine andere ist jetzt am Neustädterthor durch den Bau der Eisenbahn verschwunden. Die Schanze auf dem Selzersberg ist längst unsichtbar geworden.— Von den Casematten ist eine unweit dem Brande noch ziemlich erhalten.
**) Dieser Gang wurde schon im Jahr 1763 abgebrochen,


