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kennen zu lernen und einen alten guten Freund zu begrüssen. Dieses Heuchelheim ist ein bedeutender und wohlbevölkerter Ort von 1353 Einwohnern, lauter Lutheranern bis auf 35 Juden. So nahe einer Universitätsstadt haben die Bewohner bisher mehr als andere ihre alten Sitten und Gewohnheiten so sehr als möglich beizubehalten gesucht. Eins und das Andere muss freilich dem veränderten Zeitgeiste nach- geben*). Die Leute sind insgesammt thätig und fleissig; im Sommer arbeiten sie im Feld, im Winter spinnen die weiblichen Personen, während die Männer stricken.
Wir wollen dem Freunde des Mittelalterlichen vergönnen, in dem Pfarrhofe einen alten, aus porösem Basalte verfertigten Taufstein und auf dem Thurme einige alte Glocken zu betrachten und gehen dem das Dorf durchfliessenden Bieberbache entlang aufwärts nach der welt- bekannten Heuchelheimer Mühle, von welcher uns der Künstler ein Bild gibt. Die Nähe des Baches, der sich eine geraume Strecke neben der felsigen Anhöhe herwindet, dann sich„auf die Räder stürzt mit Brau- sen“ erinnert gar sehr an des Dichters Mühlbach, und der freundliche Ort und die gefälligen Wirthsleute ziehen im Sommer gar manche Gäste an;(die Frau Mandler bäckt auch gute Pfannkuchen). Doch können wir nicht bergen, dass der Ort früher malerischer war. Das alterthümliche Haus, das jetzt durch neuere Gebäude ersetzt ist, und die ehrwürdige Linde, welche mitten im Hofe stand, umgeben von einer Bank, und den ganzen Raum beschattete, passten sehr gut zusammen und gaben ein Platzchen ab, das gar gemüthlich und behaglich war.
Einige hundert Schritte nördlich der Mühle liegt auf der Hoch- ebene an der nach dem Hinterlande führenden Strasse ein Wirthshaus, der Windhof oder wie er in unserm Bilde bezeichnet ist, der West- phälische Hof genannt. An frischer Luft und freier Aussicht fehlts hier nicht. Das Gebäude hat seit 40 Jahren allerlei Schicksale und allerlei Herren gehabt. Im J. 1810 stand es noch zu Kirchberg. Dar- auf wurde es auf den Abbruch verkauft, und an der Stelle wieder auf- gerichtet, wo es jetzt steht. Die Lage schien wegen der neu angelegten Chaussee günstig zu einem Wirthshause, und die ersten Besucher gaben ihm den Namen Windhof. Von der Zeit an bis jetzt wechselten die
*) Es ist auch nicht alles Alte gerade gut. Vor noch nicht langer Zeit pflegte zu Heuchelheim bei einer ordentlichen Bauernhochzeit Folgendes drauf zu gehen: ein Ochse (von ca 600 Pf.), 3 Schweine, 10 Kälber, 2 Hämmel, 3 Malter Mehl zu Kuchen oder 7 Backöfen voll(20 Kuchen für einen Ofen gerechnet). Noch jetzt gehen daselbst bei Hochzeiten die Mädchen mit Schnapskrügen durch das Dorf und bieten Jedem, der ihnen begegnet, einen Labetrunk an.


