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5. Kirchberg und Staufenberg.
Ein anderes Bild führt der Künstler vor unsere Blicke. Im Vor- dergrunde steht auf einem einsamen Kirchhofe eine alte Kirche mit einem ebenfalls alterthümlichen viereckigen Kirchthurme. Im Hinter- grunde zeigen sich auf dem Gipfel einer Bergkuppe die Trümmer einer oder vielmehr zweier alten Burgen, umgürtet von einem Städtchen.— Wir werden hierbei ergänzen müssen, was der Kunst darzustellen ver- sagt ist. Auf einem felsigen Vorsprunge, den die Lahn bespült, liegt die alte Kirche und in ihrer Nähe das Pfarrhaus, Schulhaus und ein Wirthshaus. Dies ist das etwa anderthalb Stunden nördlich von Giessen liegende Kirchberg, wohin man jetzt auf der Eisenbahn leicht gelangen kann. Lassen wir uns bei dem Geistlichen, einem gastfreundlichen Greise, Jemanden mitgeben, der uns die Kirche öffne. Bevor wir ein- treten, ist es nöthig, dass wir uns etwas umschauen und das Panorama, welches sich hier darbietet, aufnehmen. Ueber dem Eingange am Thurme befindet sich ein Doppelwappen(der von Schaben und von Rau) nebst der alterthümlichen Jahrzahl 1497(wenns nicht eher 1495 heisst).
Im Innern der Kirche zeigt sich an den Wänden eine Anzahl früherer Grabsteine mit zum Theil interessanten Inschriften, und wer sich die Mühe nehmen will, den Thurm zu besteigen, der kann hier 3 uralte Glocken sehen, wie man sie heut zu Tage selten noch an- trifft*). Ausserhalb der Kirche sind hier und da noch einige Wappen, deren Betrachtung wir jedoch den Alterthumsforschern überlassen müssen, um nach dem benachbarten Städtchen hinanzusteigen, das wir bisher nur aus der Ferne gesehen, wir meinen Staufenberg**). Seine
*) Von den Grabsteinen steht gleich beim Eingange links der des Michel Lucht, „gewesner Schultheis zu Staufenberg von Schlesewigk’ von 1588 und dabei der des Pfarrer Halbinner von 1613. Im Chor ist der des Friedr. von Rolshausen und sei- ner Gem. Anna v. Eringshausen, sodann der von Hans v. Rolshausen nachgelassene Frawetling von 1575, ferner der Anna Augusta von Selle auf Friedelhausen, gest. 1699, des Philipp von Rodehausen und seiner Gem., sowie des Eberhard Magnus von Rode- hausen und seiner Gem. von 1587(resp. 1586). Ein anderer Stein enthält die Lebens- schicksale des im J. 1732 verstorbenen Benedictus v. Düring.— Unter den Glocken ist die grösste 1380 von Johannes Wydekyndy zu Marburg, die zweite mit dem Spruche „Qum trahor audite voco vos ad sacra venite“ im Jahr 1310 und die dritfe im J. 1432 „yn die urbany ppe' gegossen.
**) Der Name Slaufenberg und Staufen kommt in Deutschland öfter vor und ist von dem altdeutschen Worte stouf abzuleiten, das so viel bedeutet als Felsen. Aeltere Forscher wollten es von einem Gotte Stuffo herleiten, der jedoch nirgends vorkommt.


