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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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Plätzchen finden. Man kann den Rückweg auch über die Ganseburg oder, wie der Besitzer vor einiger Zeit seinem Hause die gelehrte Auf- schrift gegeben, dasGasthaus zu den Römerhügeln auf der Grün- berger Strasse zurück nehmen.

4. Die Badenburg.

Eine gute Stunde nördlich von Giessen liegt eins der lieblichsten Plätzchen von allen Umgebungen der Stadt, es ist die vielbesuchte Badenburg, die jetzt durch den tiefen Einschnitt, den man auf der Ost- seite der Eisenbahn gegeben hat, auf der Einen und durch das Lahn- thal auf der andern Seite so zu sagen zu einer Insel geworden ist. Nach Osten und Nordosten erheben sich zwei steile Waldgipfel der Hangelstein*) und der Lollarer Kopf. Dicht neben zur Seite ist die Anhöhe mit Buschwerk versehen, vor dem in Trümmern liegenden Gebäude fliesst die Lahm und bildet hier eine waldige Insel, neben ihr klappert eine Mühle, etwas weiter erscheinen die preussischen Dörfer Wismar und Launspach und die Ferne schliesst sich mit den beiden Bergschlössern Vetzberg und Gleiberg**). Fürwahr, das Herz erweitert sich, wenn man an einem schönen Sommertage hier weilt. Noch anmuthiger, weil stiller und einfacher, war es hier vor vierzig Jahren und an Sommermorgen. Die Gegend ist nicht mehr ganz das, was sie damals war. Die eigentliche Badenburg ist eine moderne Ruine und war ein Rittersitz, der im Jahr 1358 von Johann von Wei- tolshausen(Weitershausen), genannt von Schrautenbach, errichtet wurde. Sie blieb der Familie bis in neuerer Zeit und soll noch vor 100 Jah- ren mit den herrlichsten Malereien geziert gewesen sein. Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts wurde das Haupthaus seines Daches, der Fenster etc. beraubt und sank darum so schnell zur Ruine herab. Die Gemeinde Wieseck kaufte das dazu gehörige Feldgut, der Kauf- mann Tasche zu Giessen die Gebäulichkeiten mit dem nächstgelegenen Gelände und lies hier eine Wirthschaft errichten und zugleich einige Anlagen machen, wodurch das Ganze allerdings für das Publikum gewann und die Fremden wohl angezogen werden mussten.

*) Im XVI. Jahrhundert kommt er unter dem Namender hangende Stein vor.

**) Unser Künstler hat seine Ansicht von der rechten Lahnseite gegenüber der Mühle genommen. Eine andere und gewiss ebenfalls sehr malerische würde sich auf der linken Lahnseite etwas weiter oberhalb der Padenburg nehmen lassen.