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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
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die Mühe nehmen will, den uralten Thurm zu besteigen, der findet oben neben einer ausgebreiteten Aussicht zwei ganz alte Glocken*).

Einst war auf dieser frischen Höhe nur Wald. Im Jahr 1129 stiftete hier die Gräfin Clementia von Gleiberg ein Kloster für Augusti- ner, das sie wohl begabte. Aber schon im Jahr 1323 wurde dasselbe wegen des unsittlichen Wandels seiner Bewohner aufgehoben und die Besitzung dem deutschen Orden verehrt. Als Commende dieses Ordens bestand es bis zur Aufhebung desselben durch Napoleon im Jahr 1809, wo es dem Grossherzog von Hessen zufiel.

Seit geraumer Zeit ist auf dem Schiffenberg eine Oekonomie und eine Wirthschaft. Die Gefälligkeit des Wirthes, verbunden mit der Anmuth der Gegend, wird Jedem, der den Ort besucht, angenehme Erinnerungen zurücklassen**).

3. Wieseck und das Busecker Thal.

Sonst ging der Bursche viel lieber nach Wieseck als nach Annerod, theils, weil jenes näher bei Giessen liegt, theils und besonders, weil man dort einen guten Pfannkuchen und ein gutes Butterbrod bekam. In neuerer Zeit hat sich Wieseck ziemlich erweitert; es hat ein geräumiges Schulhaus erhalten, das schon von Weitem in die Augen fällt, es haben sich Wirthshäuser etablirt und dergleichen mehr. Doch giebt es auch noch Altes daselbst für Diesen und Jenen, was Interesse hat. So stceht noch eine alte viereckige Pforte an der Nordseite des Ortes, die ein ganz malerisches Aussehen hat. So sieht man auch an dem östlichen Theile des Chores der Kirche, welches sich dem Kirchthurme anschliesst, einen alten achtstrahligen Stern, und nicht weit davon die Jahrzahl 1497.

Wer gut zu Fuss ist, der wird, falls er Zeit hat, auch dass sonnige Busecker Thal genauer kennen lernen wollen und kann auf seiner Wan- derung nach Altenbuseck, Grossenbuseck, Beuern, Trohe und Rödgen manchen bemerkenswerthen Gegenstand und auch gar manches liebliche

*) Die Eine hat die Umschrift: o rex glorie criste veni cum pace. Die andere ave maria gra(gracia) plena dis tecü(dominus tecum). Eine dritte Glocke ist seit 1811 nicht mehr da, und ein viertes Glöckchen, sonst auf dem Herrenhause, befindet sich jetzt in Daubringen.

**) Hier wollen wir nur noch beifügen, dass in der Nähe, und zwar nach dem Baumgarten(Bangerte) hin, ehemals das Frauenkloster Zelle stand. Gegenwärtig sind jedoch von demselben kaum noch etliche Spuren bemerkbar.