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Ansichten von Giessen und seiner Nachbarschaft / nach Originalzeichnungen von F. Heinzerling, in Stahl gestochen von J. J. Tanner, nebst einem beschreibenden Texte von Ph. Dieffenbach
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schönen Zwecke gemäss eingerichtet war; wir meinen die städtische Armen-Arbeitsanstalt, die ihr Lokal in einem Seitengässchen des Selzerswegs hat. Wir wünschen ihr ein freudiges Fortbestehen.

5. Geschichtliches.

Wir glauben dem Leser hier auch einige geschichtliche Notizen in der Kürze mittheilen zu müssen. Wenn es auch nicht erwiesen werden kann, dass einst die Römer in der Gegend für längere Zeit sich aufgehalten haben, so beweisen doch die vielen alten Grabhügel, deren wir zum Theil schon früher gedachten, wie die im Philosophenwalde, in der Linder Mark, auf der Anneroder Haide etc., besonders aber die bedeutenden Ringwälle auf dem Dünsberge, dass zu einer Zeit, die wohl nicht jünger ist, als die des Aufenthalts der Römer am Rhein, hier Menschen gelebt haben müssen, die bereits eine gewisse Stufe der Kultur erreicht hatten. Ja wir getrauen uns, den Beweis zu liefern, dass lange, lange vor dieser Zeit in der Gegend Menschen sich auf- gehalten, die auf einem so niedern Grade der Kultur standen, dass sie noch keine Kenntniss von irgend einem Metalle hatten, wenigstens sich dessen noch nicht zu bedienen verstanden. Die Nachrichten der Römer lassen keinen Zweifel, dass zu ihrer Zeit das bekannte hochherzige Volk der Chatten(Katten) auch in dieser Gegend gewohnt haben müsse.

Mit dem achten Jahrhundert tauchen allmälig einzelne Ortsnamen in der Nachbarschaft auf, wie Gns, Girmes, Linden, Selters, Wieseck, Lich etc.; aber der Name Giessen*) kommt zum ersten Mal in einer Urkunde von 1197 vor, und zwar wird in derselben eine Gräfin Salome von Gysen als Zeuge genannt. Bleibt es hier auch zweifelhaft, ob der Name nur eine Burg bedeutet, so weist doch eine Urkunde von 1248, welche von Schultheis, Schöffen und Burgern zu Giessen spricht,**) auf

*) Es wird in älteren Urkunden sehr verschieden geschrieben, als Gysen, Giezen, Gizen, Gyezen, Gisin, Gyzcin, Giezin etc., etwas später: zu den Gizen, nachmalszun Giessen d. h. zu den Wassern, zu den Bächen.

**)Cunradus scultetus, scabini et burgenses universi in Gizen. Etwas später (1276) wird der Capelle in Giessen urkundlich gedacht. Als Ritter(milites) und wahr- scheinlich Burgmannen werden genannt: Adolf v. Heuchelheim, Hedenrich v. Elker- hausen, Gernand der Aeltere und Jüngere v. Schwalbach, Walter Schlaune, die Ge- brüder Eckhard und Synand, Gilebert Boppo und Konr. v. Kinzenbach; als Schöffen: